Lufthansa verschärft Sparkurs: Herausforderungen und strategische Maßnahmen im Luftverkehr
Wie die Airline auf sinkende Erlöse und steigende Kosten reagiert – ein Überblick.

Die Lufthansa sieht sich gezwungen, angesichts steigender Kosten und rückläufiger Erlöse einen verschärften Sparkurs einzuschlagen. In einem internen Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, gibt der Bereichsvorstand von Lufthansa Airlines bekannt, dass die bisherigen Maßnahmen zur Ergebnissicherung nicht ausreichen würden. Ursächlich für die wirtschaftliche Herausforderung sei eine strukturelle Veränderung, nicht nur eine temporäre Krise. Die Einnahmen blieben hinter den Erwartungen zurück, während die Kosten weiterhin auf einem hohen Niveau verharren.
Besonders die Premiummarke Lufthansa Airlines, einstiger Stolz des Konzerns, steht im Fokus der Sparbemühungen. Trotz früherer positiver Nachrichten über schwarze Zahlen für alle Konzernmarken im letzten Jahr, musste die Hauptmarke allein im ersten Quartal 640 Millionen Euro Verlust verzeichnen, was zu einem Gesamtverlust von 850 Millionen Euro führte.
Die aktuelle Situation wird durch mehrere Faktoren verschärft, darunter eine Normalisierung der Ticketpreise nach einem starken Anstieg in den letzten Jahren sowie gestiegene Tarifabschlüsse, die die Kosten weiter in die Höhe treiben. Zudem verschärft sich der Wettbewerb auf den lukrativen Langstreckenverbindungen nach Nordamerika und Asien, wo Konkurrenten wie die IAG-Gruppe zunehmend Marktanteile gewinnen.
Ein wesentliches Problem liegt auch in der Abhängigkeit der Premiummarke von Geschäftsreisenden, deren Rückkehr nach der Pandemie hinter den Erwartungen zurückbleibt. Währenddessen steigt die Zahl der Privatreisenden, die vor allem saisonale Schwankungen im Sommer verursachen, die mit dem bestehenden Betriebssystem nur schwer auszugleichen sind.
Um dieser Lage zu begegnen, hat Lufthansa weitere Sparmaßnahmen angekündigt. So sollen die Sachkosten in administrativen Bereichen um 20 Prozent und im Marketing um zehn Prozent reduziert werden. Stellen in der Verwaltung werden nicht mehr neu besetzt, und bestehende Urlaubsansprüche und Gleitzeiten müssen bis zum Jahresende abgebaut werden. Zudem werden alle nicht unmittelbar betriebsnotwendigen Projekte vorerst gestoppt.
Ein Schlüssel zur Kostensenkung könnte die neue Tochter Lufthansa City AirlinesH+ spielen, die künftig Zubringerflüge zu den Drehkreuzen in Frankfurt und München übernehmen soll. Diese Kurzstreckenverbindungen seien wirtschaftlich nicht mit den Kosten der Premiummarke vereinbar, weshalb sie unter dem Dach der neuen Tochtergesellschaft gebündelt werden.
Die schwierige Lage spiegelt sich auch in den Aussagen von Konzernchef Carsten Spohr wider, der bei einem Mitarbeitermeeting die aktuellen Herausforderungen betonte. Die Produktivität von Lufthansa Airlines sei um 20 Prozent gesunken, obwohl die Flugzahl immer noch deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie liege. Spohr und sein Team suchen nun nach Wegen, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen und eine nachhaltige Lösung für die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu finden.
