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Lufthansa Technik baut Dreamliner-Kabinen um

Erfahrung mit VIP-Kunden und exklusive Boeing-Lizenz als Erfolgsfaktoren

4 Min
Lufthansa Technik baut Dreamliner-Kabinen um

Vielflieger kennen das Thema sehr gut: Auch bei intensiver Pflege nutzt sich das Innenleben eines Flugzeugs irgendwann ab. Mal versagt die Sitzverstellung, mal funktioniert die Bordunterhaltung nicht. Überhaupt kann eine Flugzeugkabine nach längerer Einsatzzeit veraltet wirken, etwa im Vergleich zur Konkurrenz. Dann ist es für die Fluggesellschaft an der Zeit, in ein modernes Kabinendesign zu investieren.

Künftig können zumindest die Fluggesellschaften, die die Boeing 787 (Dreamliner) einsetzen, diesen Umbau auch woanders als bei Boeing planen und durchführen lassen: bei Lufthansa Technik. Einen entsprechenden Vertrag haben Vertreter der Lufthansa-Tochter und von Boeing auf der Luftfahrtshow in Farnborough (Großbritannien) unterzeichnet. Lufthansa Technik ist damit das erste von Boeing lizenzierte Service Center – im Luftfahrtjargon BLSC genannt.

Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. In der Regel haben die Hersteller wie Boeing die Hand auf einen solchen Umbau. Sie haben die Kabine vor der Erstauslieferung des Jets nach den Wünschen der Kunden eingebaut. Sie sind es auch, die das modernisierte Innenleben entwickeln. Auch wenn dabei weder die Flugzeugsteuerung noch die Antriebe angefasst werden, ist ein solcher Umbau ein tiefer Eingriff in das Flugzeug.

Wer bisher die 787er-Kabine verändern wollte, musste zu Boeing gehen, bestätigte Andrew Muirhead, Vice President of OEM and Special Engineering Services bei Lufthansa Technik. Der Flugzeugbauer übernahm in solchen Fällen das Engineering. Erst danach konnten die Fluggesellschaften zu einem zugelassenen Betrieb gehen, der den Umbau vornimmt. Lufthansa Technik übernimmt nun auch das Engineering. Das kann kein anderer. Denn man braucht dazu Zugang zu bestimmten Daten.

Dass Boeing sich für den Lufthansa-Ableger als Partner entschied, hat nicht zuletzt einen Grund: Lufthansa Technik ist unter anderem ein Spezialist, wenn es darum geht, Langstreckenflugzeuge an die Wünsche der zum Teil sehr anspruchsvollen, vermögenden Kunden anzupassen. „Wir haben viel Erfahrung mit solchen Umbauten durch unser VIP-Geschäft“, sagt Muirhead. Diese Erfahrung ist wichtig, denn was ein wenig nach der simplen Renovierung einer Wohnung klingt, ist deutlich anspruchsvoller. Eine Kabinenmodernisierung sei nicht trivial, betont Muirhead: „Wenn neue Sitze eingebaut werden, muss man zum Beispiel auf die richtige Gewichtsverteilung achten. Ein neues Infotainment-System kann zum Beispiel ganz andere Anforderungen an die Bordelektrik stellen.“

Und mit dem Umbau ist es nicht getan. Da jedes Teil, was in ein Flugzeug eingebaut wird, zugelassen werden muss, übernimmt Lufthansa Technik auch die Zertifizierung des modernisierten Jets. „Wir müssen dazu bestimmte Tests durchführen und Nachweise erstellen“, so Muirhead.

Lufthansa Technik wartet nicht nur Flugzeuge. Das Unternehmen arbeitet auch an neuen Technologien, etwa um die Jets nachhaltiger zu machen. Das Management hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Umsatz und Ergebnis sollen sich bis 2030 fast verdoppeln. Zwar läuft das Kerngeschäft mit der Wartung von Verkehrsflugzeugen gut. Weil Boeing und Airbus wegen Engpässen in der Lieferkette derzeit Probleme haben, neue Jets fristgerecht zu übergeben, müssen viele Fluggesellschaften älteres Fluggerät länger als geplant in der Luft halten.

Das spiegelt sich in Zahlen von Lufthansa Technik wider. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz um 18 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu. Bei einem bereinigten Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern von 628 Millionen Euro ergibt das die stattliche Ergebnismarge von 9,6 Prozent. Auch gehen Analysten von RBC Capital Markets oder der Bank of America davon aus, dass der Lieferengpass bei Airbus und Boeing noch mindestens zwei Jahre, wenn nicht sogar länger, andauern wird.

Doch um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, expandiert Lufthansa Technik auch in neue Geschäftsfelder. Unter anderen will das Unternehmen künftig auch militärisches Gerät warten. Die nun geschlossene Partnerschaft mit Boeing schafft zusätzliches Wachstumspotenzial.

Über das Marktvolumen im Bereich der Kabinenmodernisierung gibt es keine öffentlich zugänglichen Daten. Doch Hinweise auf das Potenzial liefert das Orderbuch von Boeing. Danach wurden bisher 1132 Flugzeuge vom Typ Dreamliner an Kunden übergeben, die ersten davon sind seit 2011 im Einsatz. Weitere 786 Dreamliner sind bestellt. Unter anderem setzt Lufthansa seit Kurzem auf das moderne Langstreckenflugzeug.

Die starke Nachfrage dürfte mit ein Grund sein, warum sich die Boeing-Führung dazu entschlossen hat, ein externes Unternehmen für solche Kabinenumbauten hinzuzuziehen. Der Airbus-Rivale hat mit massiven internen Problemen zu kämpfen. Schon länger gibt es immer wieder teils erhebliche Qualitätsmängel. Seit Anfang des Jahres beim Steigflug einer 737-9 Max ein komplettes Seitenpanel herausgerissen wurde, steht der Konzern unter strenger Aufsicht der US-Behörden.

Gleichzeitig haben US-Unternehmen in der Pandemie sehr schnell sehr viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entlassen. In den USA gibt es keine Kurzarbeit wie in Deutschland. Nun fehlt es an Personal, um die Produktion bei entsprechender Qualität sicherzustellen. Deshalb sind auch die Kapazitäten für die Modernisierung von Kabinen begrenzt.

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