Lufthansa sucht dringend neuen Aufsichtsratsvorsitz
Lufthansa sucht dringend neuen Aufsichtsratsvorsitz

Die Suche nach einem Nachfolger für den Aufsichtsratsvorsitz der Lufthansa gestaltet sich schwierig. Karl-Ludwig Kley, der amtierende Chef des Kontrollgremiums, hatte ursprünglich nicht geplant, seine Amtszeit bis 2026 zu verlängern. Bereits bei seiner Wiederwahl im Mai 2023 signalisierten die Anteilseigner gemischte Unterstützung. Zwar stimmten 90 Prozent für seine erneute Mitgliedschaft, jedoch erhielten andere Mitglieder wie Carsten Knobel und Karl Gernandt höhere Zustimmungsraten. Trotz dieser Umstände wurde Kley vom Aufsichtsrat erneut zum Vorsitzenden gewählt.
Um Kleys Amtszeit zu ermöglichen, wurde die Altersgrenze für Aufsichtsratsmitglieder von 70 auf 72 Jahre angehoben. Dennoch machte Kley intern deutlich, dass er eine frühzeitige Übergabe anstrebe. Eine solche gestaltet sich jedoch als schwierig, da es bislang keinen Konsens im Kontrollgremium über einen Nachfolger gibt. Tom Enders, ehemaliger Airbus-Chef und derzeitiges Aufsichtsratsmitglied, gilt als potenzieller Kandidat. Allerdings stößt er auf Widerstand, insbesondere bei Arbeitnehmervertretern, die seine Haltung zur Mitbestimmung und frühere Entscheidungen kritisch sehen.
Die Struktur des Aufsichtsrats erschwert die Entscheidungsfindung zusätzlich. Er ist paritätisch mit Vertretern der Kapital- und Arbeitnehmerseite besetzt, wobei die Interessen der Belegschaft durch mehrere, teils uneinige Gewerkschaften vertreten werden. Diese Uneinigkeit führte bereits 2023 dazu, dass Kley gebeten wurde, länger im Amt zu bleiben. Eine weitere Verlängerung ist jedoch ausgeschlossen, da die Altersgrenze von 72 Jahren nicht erneut überschritten werden kann.
Großaktionär Klaus-Michael Kühne, der mit etwa 19 Prozent der Anteile erheblichen Einfluss auf die Unternehmenspolitik hat, könnte bei der Nachfolgeregelung eine wichtige Rolle spielen. Kühne hat öffentlich betont, dass er einen stärkeren Einfluss im Aufsichtsrat anstrebt. Sein Mitspracherecht könnte sich in der Ernennung eines weiteren Sitzes oder der Unterstützung eines Nachfolgers seiner Wahl äußern.
Kley selbst betonte, dass er die Lufthansa in einem stabilen Zustand übergeben möchte. Aktuell befindet sich der Konzern in einer Umstrukturierungsphase, insbesondere die Kernmarke Lufthansa. Bis 2026 soll diese Transformation abgeschlossen sein, was zeitlich mit dem 100-jährigen Bestehen des Unternehmens zusammenfällt. Dies könnte einen idealen Zeitpunkt für die Übergabe des Vorsitzes darstellen, falls bis dahin ein geeigneter Nachfolger gefunden wird.
