Lufthansa kämpft weiter um den Turnaround
Steigende Kosten und schwächere Nachfrage bremsen die Erholung des Konzerns

Trotz soliderer Geschäfte steht die Lufthansa weiterhin vor großen Herausforderungen. Zwar konnte der Konzern seinen Umsatz in den ersten neun Monaten 2025 um rund fünf Prozent auf knapp 30 Milliarden Euro steigern, doch der Gewinn ging im letzten Quartal zurück. Das Plus im Gesamtjahr wird voraussichtlich nur erreicht, weil es im Gegensatz zum Vorjahr keine größeren Streiks gab. Der Arbeitskampf im Frühjahr 2024 hatte das Ergebnis um etwa 450 Millionen Euro belastet. Bereinigt um diesen Effekt läge der Gewinn fast ein Fünftel unter dem Vorjahreswert.
Die Zuversicht, die Lufthansa-Chef Carsten Spohr noch im September bei Investoren und Mitarbeitern verbreitet hatte, ist einer nüchterneren Einschätzung gewichen. Branchenanalysten wie Harry Gowers von JPMorgan warnen, dass trotz stabiler Buchungslage die Erträge unter Druck geraten könnten. Zusätzliche Kosten durch neue Tarifrunden und staatliche Abgaben drohen die bisherigen Einsparungen aufzuwiegen. Besonders die schwächere Nachfrage im Langstreckenverkehr dämpft die Erwartungen.
Lufthansa verweist dennoch auf Fortschritte beim Konzernumbau. Neben der Passagiersparte tragen vor allem die Bereiche Fracht, Eurowings und Technik zum Ergebnis bei. Gemeinsam erwirtschaften sie rund eine Milliarde Euro operativen Gewinn. Im Passagiergeschäft soll die neue Flugzeugkabine „Allegris“ für eine einheitlichere Premium-Erfahrung sorgen und höhere Einnahmen pro Flugkilometer ermöglichen. Der Konzern setzt dabei auf das Programm „One Group Transformation“, das Prozesse vereinheitlichen und die Wertschöpfung steigern soll.
Trotz dieser Initiativen bleibt der Druck hoch. Die Personalkosten steigen, da sich auch deutsche Piloten an den deutlichen Gehaltszuwächsen ihrer US-Kollegen orientieren und höhere Löhne fordern. Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig erhöhen sich die durch den Staat beeinflussten Gebühren. Entgegen früherer Zusagen sollen Ausgaben für Flugsicherung und Passagierkontrollen 2026 sogar steigen.
Analysten sehen in dieser Kombination aus höheren Kosten und schwächerer Ertragslage ein ernstes Risiko. Während Lufthansa mit den höchsten Ticketpreisen Europas operiert, sind auch ihre Kosten die höchsten der Branche. Die Hoffnung, ab 2028 eine operative Marge von zehn Prozent zu erreichen, gilt vielen Beobachtern als ambitioniert. Spohr räumt mittlerweile selbst ein, dass der Weg zum vollständigen Turnaround noch lang ist.
