Lufthansa-Hauptversammlung: Kritik an Strategie und Qualität
Vorwurf: Marke Lufthansa durch Abwicklung ihrer Flüge durch die Töchter Eurowings und Eurowings Discover sowie externe Leasing-Airlines verwässert

Die diesjährige Hauptversammlung der Lufthansa steht unter dem Eindruck von Kritik. Die Aktionäre der größten deutschen Fluggesellschaft haben deutlich gemacht, dass sie mit dem strategischen Kurs und dem Qualitätsmanagement der Fluggesellschaft nicht zufrieden sind. Die großen Fondsgesellschaften Deka und Union Investment haben sich vor allem an der Strategie der Lufthansa gestört. Ihrer Meinung nach wird die Premium-Marke Lufthansa durch Abwicklung ihrer Flüge durch die Töchter Eurowings und Eurowings Discover sowie externe Leasing-Airlines verwässert. Zudem sei der Konzern mit elf Flugbetrieben zu komplex. "Der Markendschungel verwirrt die Kunden und birgt erhebliche Reputationsrisiken", sagte Deka-Nachhaltigkeitschef Ingo Speich. Auch die geplante Übernahme der italienischen ITA Airways sehen die institutionellen Anleger kritisch. Ein Drehkreuz in Südeuropa sei zwar sinnvoll, eine Expansion im vom Billigflieger Ryanair dominierten inneritalienischen Markt aber nicht, sagte Speich.
Neben der Kritik an der Strategie wurde auch die Qualität der Premium-Airline bemängelt. Von vielen Flugausfällen und -verspätungen im letzten Jahr bis hin zur Betreuung in der Lounge oder dem Essen an Bord. "Aktuell ist die Airline in vielen Bereichen aus qualitativer Sicht enttäuschend", monierte etwa Bernardo Loewenstein, Inhaber einer Reiseagentur. Die Lufthansa gelobte Besserung durch mehr Personal, eine neue App, mehr Automatisierung und Self-Service oder die umfangreiche Erneuerung der Ausstattung in der Business Class in den kommenden Jahren.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr verteidigte die eingeschlagene Strategie und warb erneut für den geplanten ITA-Einstieg. Wie in den drei Vorjahren schlägt das Management den Aktionären auch diesmal vor, auf eine Dividende für das abgelaufene Jahr zu verzichten. Die Lufthansa hat für 2022 zwar nach überwundener Corona-Krise einen Gewinn von 791 Millionen Euro ausgewiesen. Entscheidend für eine Dividendenzahlung ist aber der Abschluss der Aktiengesellschaft nach dem deutschen Handelsgesetzbuch, der vor allem wegen anders zu bewertender Pensionslasten mit einem Verlust von 2,7 Milliarden Euro festgestellt wurde. Erst für das laufende Geschäftsjahr stellt der DAX-Konzern wieder eine Dividende in Aussicht.
