Luftfahrt in Deutschland kämpft mit hohen Kosten
Starke Belastungen bremsen Erholung und reduzieren Flugziele

Die Luftfahrtbranche in Deutschland kämpft weiterhin mit hohen Kosten und einer langsamen Erholung von der Corona-Pandemie. Während europaweit die Passagierzahlen wieder ansteigen, hinkt Deutschland hinterher. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) nennt als Hauptgrund dafür die steigenden Standortkosten. Diese resultieren aus erhöhten Luftverkehrssteuern und gestiegenen Gebühren für Flugsicherung und Luftsicherheit.
Trotz einer Zunahme des Sitzplatzangebots um zehn Prozent auf 83 Prozent des Niveaus von 2019, bleibt Deutschland hinter dem übrigen Europa zurück, wo die Kapazitäten bereits 102 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht haben. An den deutschen Flughäfen stieg die Passagierzahl um zehn Prozent auf insgesamt 97 Millionen Fluggäste. Der BDL fordert daher ein Belastungsmoratorium, um die Anbindung der exportstarken deutschen Wirtschaft an die Welt nicht zu gefährden.
Besonders betroffen von den hohen Kosten ist der Flughafen Stuttgart. Der BDL hat errechnet, dass die staatlichen Kosten für einen typischen Mittelstreckenflug mit dem Airbus A320 in den letzten fünf Jahren um 84 Prozent auf rund 4400 Euro gestiegen sind. Im Vergleich dazu betragen die Kosten am Flughafen Rom Fiumicino nur die Hälfte und am Flughafen Dublin, dem Hauptsitz von Ryanair, lediglich 244 Euro. Aufgrund dieser hohen Kosten haben Billigairlines wie Easyjet, Ryanair und Wizz ihr Angebot in Deutschland reduziert. Stuttgart hat dadurch 19 Flugziele verloren und bedient wichtige Städte in Europa seltener.
Neben den hohen Kosten gibt es weitere Faktoren, die den Luftverkehr in Deutschland beeinträchtigen. Viele Unternehmen haben aufgrund der Pandemie ihre Geschäftsreisen reduziert und setzen vermehrt auf virtuelle Meetings. Zudem leidet der deutsche Marktführer Lufthansa unter einem Mangel an Flugzeugen, da Boeing keine neuen Maschinen liefert und Airbus Wartungsprobleme beim A320neo hat. Die steigenden Ticketpreise in den letzten Jahren tragen ebenfalls dazu bei, dass die Nachfrage sinkt.
Um die Erträge zu stabilisieren, hat die Lufthansa ihren Winterflugplan ausgedünnt. Laut Daten des BDL wird das Angebotsniveau im Herbst ab Ende Oktober auf 85 Prozent des Niveaus von 2019 sinken, während der Rest Europas weiter auf 109 Prozent wächst. Die hohen Kosten und die zusätzlichen Herausforderungen machen es der deutschen Luftfahrtbranche schwer, mit dem Rest Europas Schritt zu halten.
