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Loewe: Vom Traditionskonzern durch zwei Insolvenzen zum Neustart

Die fränkische Traditionsmarke Loewe erlebte zwei Insolvenzen – und kämpft sich unter Investor Aslan Khabliev mit 55 Millionen Euro zurück.

• 3 Min
Loewe: Vom Traditionskonzern durch zwei Insolvenzen zum Neustart

Gegründet 1923 im fränkischen Kronach, gehörte Loewe einst zu den bekanntesten deutschen Elektronikunternehmen. Rund 76 Jahre nach der Gründung wagte das Unternehmen im Sommer 1999 den Sprung an den Neuen Markt – zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die WirtschaftsWoche kommentierte damals nüchtern: „Die Aktien drängen sich bei der schwachen Marktlage nicht auf." Es sollte ein Vorzeichen für schwierige Jahre werden.

Bereits ab 2003 schrieb Loewe rote Zahlen. Der Vorsteuerverlust belief sich auf 34 Millionen Euro. Vier Jahre später gelang zwar eine Trendwende mit einem Plus von knapp 30 Millionen Euro, doch die strukturellen Probleme blieben. Das Flachbildmodell Spheros hatte um die Jahrtausendwende noch für Aufsehen gesorgt, doch die aufkommende asiatische Konkurrenz setzte dem Premiumhersteller zunehmend zu. Mitarbeiter verzichteten auf Gehalt, Kapitalerhöhungen sollten das Unternehmen sanieren – vergeblich.

Zwei Insolvenzen in weniger als einem Jahrzehnt

Im Juli 2013 meldete Loewe erstmals Insolvenz an. Nach der ersten Pleite fand sich zunächst ein Käufer, das Unternehmen wurde von der Börse genommen und versuchte mit UHD-Fernsehern einen Neustart. Doch auch dieser Anlauf scheiterte: 2019 folgte die zweite Insolvenz. Für eine Marke mit fast hundertjähriger Geschichte war das ein tiefer Fall – und für Anleger, die nach dem Börsengang eingestiegen waren, ein schmerzhafter Verlust.

Es war Aslan Khabliev, der die Marke schließlich rettete. Über seine zyprische Investmentfirma Skytec erwarb er die Markenrechte an Loewe. Khabliev ist kein Unbekannter in der Branche: Er hatte zuvor bereits Markenrechte von Sharp und Blaupunkt vermarktet. Mit diesem Hintergrund brachte er gezieltes Know-how für den Neuaufbau einer Elektroniklarke mit.

Khabliev kaufte Grundstücke von der Gemeinde Kronach zurück und stellte ehemalige Loewe-Mitarbeiter wieder ein. Unbezahlte Rechnungen bei Fachhändlern mussten bereinigt werden, bevor das Vertrauen im Handel langsam zurückkehren konnte. Bis 2024 investierte Khabliev nach eigenen Angaben 55 Millionen Euro in den Wiederaufbau der Marke – eine beachtliche Summe für ein Unternehmen, das noch keinen Gewinn schreibt.

Premiumstrategie mit prominenter Unterstützung

Das heutige Loewe ist breiter aufgestellt als der frühere Fernsehhersteller. Das Produktportfolio umfasst Fernseher, Kopfhörer, Lautsprecher und sogar Kaffeeautomaten – alles im Premium- und Luxussegment. In Kronach werden noch zwei Modellreihen produziert, der Rest der Fertigung findet in China statt. Zudem übernahm Loewe den französischen HiFi-Hersteller Cabasse und startete den Verkauf in den USA.

Für Aufmerksamkeit sorgte 2024 auch die Beteiligung von Fußballstar Kylian Mbappé, der seitdem Anteilseigner bei Loewe ist. Gemeinsam mit Tennisprfi Alexander Zverev fungiert Mbappé als Markenbotschafter. Solche prominenten Namen steigern die Sichtbarkeit der Marke – gerade im internationalen Luxussegment, wo Loewe sich neu positionieren will.

Der Jahresumsatz liegt aktuell bei rund 50 Millionen Euro. Einen Gewinn hat das Unternehmen bislang noch nicht erwirtschaftet. Für Privatanleger ist das ein wichtiger Hinweis: Trotz der beeindruckenden Investitionssumme und der prominenten Unterstützung befindet sich Loewe noch in einer frühen Phase der Konsolidierung. Die Frage, ob und wann das Unternehmen profitabel wird, bleibt offen.

Börsengang vorerst kein Thema

Ob Loewe eines Tages wieder an die Börse geht, ist derzeit unklar. Khabliev äußerte gegenüber Bloomberg, „womöglich gehe Loewe in Zukunft auch wieder an die Börse" – konkrete Pläne gibt es dafür aktuell jedoch nicht. Für Anleger, die die Geschichte der Marke kennen, dürfte ein solcher Schritt mit Erinnerungen an den enttäuschenden Börsengang von 1999 verbunden sein.

Die Geschichte von Loewe ist ein Lehrstück über die Herausforderungen traditioneller Elektronikhersteller im globalen Wettbewerb. Zwei Insolvenzen, ein entschlossener Investor und eine konsequente Neuausrichtung auf Premiumprodukte – ob das Rezept langfristig aufgeht, wird die Entwicklung der kommenden Jahre zeigen.

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