Lilium meldet Insolvenz wegen fehlender Finanzierung an
Staatliche Bürgschaften scheitern, Aktien brechen ein, Betrieb vor Zahlungsunfähigkeit

Der Elektro-Flugzeugentwickler Lilium steht vor der Insolvenz. Das Unternehmen aus Gauting bei München hat angekündigt, einen Insolvenzantrag zu stellen, nachdem seine Bemühungen um staatliche Unterstützung gescheitert sind. In einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC erklärte die börsennotierte Holding, dass die beiden wichtigsten Tochtergesellschaften, Lilium GmbH und Lilium eAircraft GmbH, Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden werden. Der Antrag soll in den kommenden Tagen beim Amtsgericht Weilheim eingereicht werden. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, dass der laufende Betrieb nicht mehr finanziert werden könne und eine Zahlungsunfähigkeit drohe. Auch die Muttergesellschaft müsse möglicherweise Insolvenz anmelden. Dies führte zu einem drastischen Kurssturz der Aktien um mehr als 50 Prozent.
Lilium hatte in den letzten Jahren ein elektrisch betriebenes Kleinflugzeug entwickelt und viele Testflüge durchgeführt. Der erste bemannte Flug war für das kommende Frühjahr geplant, die Auslieferung an Kunden sollte 2026 beginnen. Das Unternehmen beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter und hat rund 700 Fest- und Vorbestellungen aus verschiedenen Ländern, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich und Saudi-Arabien. Kunden und Investoren haben bereits 1,5 Milliarden Euro in das Unternehmen investiert, doch die Kosten für das Zulassungsverfahren und den Aufbau der Produktion waren hoch. Im ersten Halbjahr 2024 gab Lilium fast 200 Millionen Euro aus, was die Notwendigkeit einer zusätzlichen Finanzierung erhöhte.
Der Versuch, eine Kreditbürgschaft des Bundes in Höhe von 50 Millionen Euro für einen KfW-Kredit zu erhalten, scheiterte, da die Regierungskoalition in Berlin den Antrag ablehnte. Während SPD und FDP mehrheitlich zustimmten, sprachen sich die Grünen dagegen aus, was dazu führte, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages keine Entscheidung für die Bürgschaft traf. Infolgedessen scheiterten auch Verhandlungen mit dem Freistaat Bayern, der ebenfalls eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro zugesagt hatte. Laut Lilium-Mitgründer Daniel Wiegand haben einzelne Abgeordnete die Förderung kurzfristig blockiert, was das Unternehmen in eine schwierige Situation brachte.
Lilium-Chef Klaus Roewe äußerte, dass die hohen Anfangsinvestitionen für die Entwicklung eines elektrisch betriebenen Flugzeugs nicht rein privatwirtschaftlich gestemmt werden könnten. Er betonte, dass es weltweit kein Flugzeugprogramm gebe, das ohne staatliche Unterstützung erfolgreich gewesen sei. Länder wie China und die USA fördern die Entwicklung elektrischer Flugzeuge, und auch Frankreich habe Lilium erhebliche Unterstützung in Aussicht gestellt, wenn das Unternehmen einen Standort in Südwestfrankreich eröffne.
