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Lilium kämpft um seine Zukunft

Zeitdruck, Investorensuche und Herausforderungen nach der Insolvenz in Eigenverwaltung

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Lilium kämpft um seine Zukunft

Der Luftfahrtpionier Lilium aus Gauting bei München steht unter erheblichem Druck. Nach der Insolvenz in Eigenverwaltung Ende Oktober sind die Löhne der über 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur noch bis zum Jahresende gesichert. Bei einer internen Veranstaltung, dem „Lilium All Wings Meeting“, betonte CEO Klaus Roewe, dass trotz Fortschritten bei den Strukturtests des Lilium-Jets und regem Investoreninteresse die Zukunft des Unternehmens ungewiss bleibt. Der enorme Zeitdruck macht die Investorensuche zur dringlichsten Aufgabe.

Die finanzielle Situation des Unternehmens bleibt prekär. Staatliche Hilfen wurden sowohl von der Bundesregierung als auch vom Land Bayern abgelehnt. Ein möglicher Ausweg könnte in der Übernahme durch neue Investoren liegen, wobei der Prozess unter der Leitung von KPMG steht. Branchenexperten wie Michael Santo von der H&Z Group weisen jedoch darauf hin, dass ein solcher M&A-Prozess in weniger als drei Monaten äußerst anspruchsvoll ist. Der Verkauf von Lilium erfolgt in einer Sondersituation, die allgemein als „Firesale“ bezeichnet wird. Es gibt Interessenten aus den USA, China, dem Nahen Osten sowie Europa. Die saudische Fluggesellschaft Saudia hat bereits 50 Jets bestellt und eine Option auf weitere 50 abgeschlossen, was das Interesse an den Senkrechtstartern unterstreicht.

In Gauting zeigt sich eine zwiespältige Stimmung. Während Unsicherheit unter den Mitarbeitern spürbar ist, bleibt der Zusammenhalt stark. Selbst die Schließung der Kantine aus Kostengründen hat keinen Einfluss auf das soziale Miteinander der Belegschaft. Die Führungsebene versucht, die Abwanderung von Fachkräften zu verhindern, indem die Lücke zwischen Insolvenzgeld und vollem Lohn geschlossen wurde. Dennoch beobachten Branchenkreise erste Wechselbewegungen am Arbeitsmarkt.

Die Insolvenz betrifft vor allem die deutsche GmbH, die wesentliche Unternehmensbestandteile wie Entwicklung, Fertigung und Patente umfasst. Die börsennotierte Dachgesellschaft Lilium NV hat hingegen reguläre Insolvenz angemeldet. Dadurch sind die Werte der GmbH für potenzielle Käufer vergleichsweise günstig zu erwerben, doch eine Anschlussfinanzierung wäre notwendig, um den geplanten bemannten Erstflug im kommenden Jahr zu realisieren.

Die Lieferanten von Lilium stehen ebenfalls vor Herausforderungen. Während sie Forderungen gegen das Unternehmen größtenteils abschreiben müssen, besteht für sie weiterhin die Hoffnung auf zukünftige Geschäfte. Allerdings könnten Verzögerungen in der Produktion die Zeitpläne weiter gefährden. Auch Kunden halten sich vorerst zurück, bleiben jedoch bis Jahresende abwartend.

CEO Roewe appelliert eindringlich an die Belegschaft, sich trotz der unklaren Lage auf die gemeinsamen Ziele zu konzentrieren. Psychologische Unterstützung wird bei Bedarf bereitgestellt, um die Mitarbeitenden in dieser schwierigen Phase zu begleiten.

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