Lilium erwägt Verkauf und Verlagerung ins Ausland
Deutsche Staatshilfe bleibt aus, Investorensuche in China und USA intensiviert

Das Luftfahrt-Start-up Lilium befindet sich derzeit in einer kritischen Phase, da es intensiv nach Investoren im Ausland sucht. Grund hierfür ist die unklare Situation bezüglich einer staatlichen Unterstützung durch die Bundesrepublik Deutschland. Nach Angaben des Unternehmens hat Lilium im Juli Berater beauftragt, mögliche Investoren für einen Verkauf zu finden. Parallel dazu plant Tom Enders, Aufsichtsratsvorsitzender von Lilium und ehemaliger Airbus-Chef, Reisen nach China und in die USA, um dort potenzielle Investoren zu treffen. Diese Maßnahmen sind eine direkte Folge der ausbleibenden Staatshilfen, die von Bayern und dem Bund vor mehreren Monaten in Aussicht gestellt wurden, aber bislang nicht bewilligt wurden.
Die fehlende Unterstützung durch die deutsche Regierung hat bei Lilium zu wachsender Frustration geführt. Das Unternehmen benötigt dringend finanzielle Mittel, um die Zulassung und Serienfertigung des elektrischen Senkrechtstarters voranzutreiben. Zwar gibt es bereits Interessenten aus Ländern wie China, den USA und Saudi-Arabien, doch ohne die erhoffte staatliche Unterstützung sieht Lilium keine Zukunft in Deutschland. Diese Unsicherheit wird durch das Desinteresse der deutschen Politik unterstrichen, das sich auch bei einem wichtigen Termin mit der arabischen Fluggesellschaft Saudia zeigte, bei dem kein hochrangiger Politiker anwesend war.
Lilium ist eines von mehreren Unternehmen weltweit, die an der Entwicklung von elektrisch betriebenen Flugvehikeln arbeiten. Die Vision des Unternehmens geht über die Nutzung als Flugtaxis hinaus; langfristig soll elektrisches Fliegen in der Luftfahrt etabliert werden. Der Weg dahin ist jedoch noch lang und kostspielig. Bisher hat Lilium nur unbemannte Prototypen getestet, und der bemannte Erstflug wurde auf Anfang des nächsten Jahres verschoben. Auch wenn die arabische Fluggesellschaft Saudia 50 Lilium-Jets bestellt hat, reicht dies nicht aus, um den großen Finanzbedarf des Unternehmens zu decken.
Lilium ist seit 2021 an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert und hat Ende des ersten Quartals 2024 über eine Liquidität von 102 Millionen Dollar verfügt. Obwohl durch eine Finanzierungsrunde weitere Mittel hinzugekommen sind, benötigt das Unternehmen im ersten Halbjahr 2024 etwa 200 bis 211 Millionen Dollar. Diese finanzielle Herausforderung verstärkt die Unsicherheit bei Lilium, insbesondere da die Unterstützung durch die deutschen Investoren an die staatliche Hilfe geknüpft ist. Auch andere deutsche Flugtaxi-Start-ups wie Volocopter haben ähnliche Schwierigkeiten, staatliche Unterstützung zu erhalten, was zu einer möglichen Abwanderung der Branche ins Ausland führen könnte.
Die Konkurrenz aus dem Ausland, insbesondere aus China und den USA, erhält hingegen erhebliche Unterstützung durch ihre Regierungen. In China zum Beispiel arbeiten Unternehmen wie CATL und Comac an der Entwicklung leistungsfähiger Batterien für die Luftfahrt. Auch in den USA profitieren Unternehmen wie Joby und Archer von umfangreichen Förderprogrammen. In Europa hingegen ist die Unterstützung spärlicher, was Lilium dazu veranlasst, auch in Frankreich nach Möglichkeiten für Subventionen und Kreditbürgschaften zu suchen. Lilium sieht in der Elektrifizierung der Luftfahrt eine große Chance zur Dekarbonisierung des Verkehrs, jedoch droht Deutschland, eine führende Rolle in dieser Branche zu verlieren, sollte die staatliche Unterstützung weiterhin ausbleiben.
