Lidl steigert Umsatz trotz hoher Kosten
Schwarz-Gruppe investiert in neue Geschäftsfelder und spürt Preisdruck

Lidl, Teil der Schwarz-Gruppe, hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 125,5 Milliarden Euro erzielt, was einem Anstieg von 9,4 Prozent entspricht. Auch Kaufland, ebenfalls ein Teil der Schwarz-Gruppe, verzeichnete ein Wachstum von 7,8 Prozent und erreichte damit einen Umsatz von 34,2 Milliarden Euro. Insgesamt steigerte die Schwarz-Gruppe ihren Umsatz um 8,5 Prozent auf 167,2 Milliarden Euro, obwohl das Wachstum im Vorjahr mit 15,4 Prozent noch deutlich höher lag. Die Umsatzzunahme wird hauptsächlich auf die hohe Inflation zurückgeführt, die die Preise im Handel steigen ließ und somit mehr Verbraucher zu Discountern wie Lidl und Kaufland brachte.
Die Schwarz-Gruppe, zu der neben den beiden Supermarktketten auch die Cloud-Sparte Schwarz Digits und die Entsorgungsfirma Prezero gehören, konnte jedoch den steigenden Kosten nicht vollständig entgegenwirken. Trotz des hohen Umsatzes gelang es nicht, die gestiegenen Ausgaben für Produkte, Rohstoffe, Energie, Transport und Zinsen vollständig abzufedern. Der intensive Preiswettbewerb zwang Lidl und Kaufland dazu, auf Margen zu verzichten, um Kunden weiterhin attraktive Preise bieten zu können. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass viele Konsumenten aufgrund der Inflation besonders preisempfindlich sind und schon auf kleine Preisunterschiede mit einem Wechsel der Einkaufsstätte reagieren.
Die Schwarz-Gruppe musste sich im vergangenen Jahr mit Herstellern über Preisverhandlungen auseinandersetzen, was zu Lieferstopps und dem Fehlen bestimmter Markenprodukte führte. Die Gruppe konnte die Forderungen der Hersteller jedoch nicht vollständig an die Verbraucher weitergeben. Dies spiegelt sich in der Tatsache wider, dass das Umsatzwachstum von Lidl mit 9,4 Prozent über der deutschen Gesamtinflation von fast sechs Prozent lag, während sich Lebensmittelpreise um 12,4 Prozent verteuerten. Auch die Online-Umsätze der Gruppe gingen um 9,4 Prozent zurück und erreichten damit wieder das Niveau von 2021, nachdem sie während der Pandemie stark gestiegen waren.
Neben dem Handelsgeschäft investiert die Schwarz-Gruppe verstärkt in neue Geschäftsfelder. So wurde die Cloud-Sparte Schwarz Digits aufgebaut, die im ersten Jahr einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro erzielte. Zudem beteiligt sich die Gruppe an dem Start-up Aleph Alpha, einem führenden Entwickler von Künstlicher Intelligenz in Deutschland. Mit Prezero, einem der größten Entsorger in Europa, und eigenen Produktionsfirmen für Lebensmittel erweitert die Schwarz-Gruppe ihren Wertschöpfungskreislauf. Im abgelaufenen Jahr erzielten diese Produktionsfirmen einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 26 Prozent entspricht.
Auch die Konkurrenz der Schwarz-Gruppe konnte von den hohen Preisen profitieren. Edeka und Rewe verzeichneten beide ein Umsatzwachstum von 7,7 beziehungsweise 7,8 Prozent. Branchenkenner erwarten jedoch, dass die Wachstumsraten in diesem Jahr zurückgehen werden, da die Preissteigerungen voraussichtlich geringer ausfallen und die Lohnkosten aufgrund neuer Tarifvereinbarungen im Einzelhandel steigen werden.
