Lidl im Konkurrenzkampf um Nonfood-Marktanteile
Neue Billig-Anbieter und Preisvergleiche setzen den Discounter unter erheblichen Druck

Der Discounter Lidl steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen, insbesondere im Bereich des Nonfood-Geschäfts. Interne Berichte zeigen, dass der Absatz in diesem Bereich schwächelt, was auf die zunehmende Konkurrenz durch neue Anbieter zurückzuführen ist. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel hierfür war eine Werbeanzeige Mitte Juli, in der Lidl erstmals seine Produkte und Preise direkt mit denen des Wettbewerbers Action verglich. Auffällig war dabei, dass Lidl die gleichen Preise wie Action bot, was in Fachkreisen als ungewöhnlich betrachtet wird. Experten wie Marc Houppermans von DRC Discount Retail Consulting sehen darin einen taktischen Fehler, da eine solche Werbung letztlich nur dem Konkurrenten nütze und Action als ernstzunehmenden Mitbewerber etabliere.
Die Situation im Nonfood-Segment ist für Lidl besonders brisant, da dieses Geschäft traditionell hohe Margen brachte. Im vergangenen Geschäftsjahr soll Lidl weltweit nur noch zehn Milliarden Euro mit Nonfood-Artikeln umgesetzt haben, wie es aus Unternehmenskreisen verlautet. Im Vergleich dazu erzielte Action im gleichen Zeitraum einen Umsatz von 11,3 Milliarden Euro und konnte diesen im ersten Halbjahr des folgenden Jahres um mehr als 20 Prozent weiter steigern. Lidl hat sich zu den genauen Zahlen auf Nachfrage nicht geäußert, spricht jedoch von einem „herausfordernden Marktumfeld“. Insider und ehemalige Führungskräfte sehen in der aufstrebenden Konkurrenz, insbesondere durch Action, eine ernsthafte Bedrohung für Lidl.
Die Konkurrenzsituation wird zusätzlich durch neue Handelsriesen aus China verschärft. Unternehmen wie Temu, Shein und Alibaba Express gewinnen zunehmend Marktanteile und setzen Lidl sowie den Mitbewerber Aldi weiter unter Druck. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass Lidl ein strategisch wichtiges Geschäftsfeld verliert. Christian Koch, Handelsexperte des Marktforschers CPS GfK, weist darauf hin, dass die Marktanteile im Nonfood-Bereich von den Lebensmitteldiscountern hin zu spezialisierten Nonfood-Discountern verschoben werden. Ein Grund hierfür sei, dass viele Verbraucher aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise weniger bereit sind, bei einem Discounterbesuch zusätzlich Aktionsware zu kaufen.
Zahlen von CPS GfK untermauern diese Beobachtung. Der Umsatz der Lebensmitteldiscounter mit Nonfood-Artikeln in Deutschland sank im Jahr 2023 um 500 Millionen Euro auf 7,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig stieg der Umsatz der Nonfood-Discounter um 700 Millionen Euro auf 6,2 Milliarden Euro. Im Durchschnitt kaufen die Kunden nun 16-mal pro Jahr Nonfood-Produkte ein, was den Erfolg der spezialisierten Anbieter verdeutlicht. Diese Entwicklungen zeigen, dass Lidl und andere Lebensmitteldiscounter unter einem starken Wettbewerbsdruck stehen, der ihre bisherige Marktposition nachhaltig gefährden könnte.
