LandSpace treibt Chinas Raumfahrt voran
Wiederverwendbare Raketen und IPO-Pläne verändern den Wettbewerb

Chinas privates Raumfahrtunternehmen LandSpace richtet seinen Blick zunehmend auf eine Rolle, die bislang von SpaceX dominiert wird. Das in Peking ansässige Start-up orientiert sich offen an dem von Elon Musk gegründeten US-Unternehmen und treibt den Ausbau wiederverwendbarer Trägersysteme voran. Anfang Dezember führte LandSpace als erstes chinesisches Unternehmen einen Test einer wiederverwendbaren Rakete durch. Auch wenn dieser Flug nicht erfolgreich endete, markierte er einen Meilenstein für die heimische Raumfahrtindustrie.
Der getestete Träger Zhuque-3 gilt als zentrales Projekt des Unternehmens. Ziel ist es, eine kostengünstige Startoption zu entwickeln, die mit SpaceX’ bewährter Falcon 9 vergleichbar ist. Wiederverwendbare Raketen spielen dabei eine entscheidende Rolle für Chinas langfristige Pläne, in den kommenden Jahrzehnten Satellitenkonstellationen mit bis zu 10.000 Einheiten aufzubauen. LandSpace sieht sich hier als technologischer Wegbereiter in einem Markt, der lange Zeit von staatlichen Akteuren geprägt war.
Das Unternehmen hebt hervor, dass sein Ansatz auf Lernen aus erprobten Konzepten beruhe. Ingenieure von LandSpace verweisen darauf, dass Konfigurationen wie jene der Falcon 9 ingenieurtechnisch erprobt seien und daher als rationale Grundlage dienten. Die Bezeichnung der Zhuque-3 als „chinesische Falcon 9“ wird intern als Anerkennung verstanden. Gleichzeitig setzt LandSpace auf eine Unternehmenskultur, die Fehlschläge als Teil eines schnellen Entwicklungsprozesses akzeptiert, was einen Bruch mit der traditionell risikoarmen chinesischen Raumfahrt darstellt.
Diese Haltung zeigt auch Wirkung über das Unternehmen hinaus. Staatliche Medien berichteten zuletzt offen über gescheiterte Versuche zur Rückgewinnung von Raketenstufen, sowohl bei LandSpace als auch bei staatlichen Firmen. Zudem öffnete LandSpace erstmals seine Triebwerksfertigung für ausländische Medien, was als Signal größerer Transparenz gewertet wird.
Parallel dazu bereitet sich das Unternehmen auf einen möglichen Börsengang vor. Nach der Öffnung des Raumfahrtsektors für privates Kapital im Jahr 2014 unterstützt Peking nun führende Anbieter dabei, Zugang zu den Kapitalmärkten zu erhalten. Finanzielle Mittel gelten als entscheidend, um kostspielige Testphasen zu überstehen, wie das Beispiel SpaceX zeigt. Während LandSpace nach dem fehlgeschlagenen Landemanöver der Zhuque-3 einen weiteren Start vorbereitet, verweist das Management darauf, dass auch SpaceX mehrere Anläufe benötigte, bevor 2015 erstmals eine Raketenstufe erfolgreich landete.
