ANZEIGE

Lagarde betont Zeit für Zinsentscheidungen

EZB-Chefin warnt vor ungewissen Wachstumsaussichten und möglichen Inflationsrisiken.

2 Min
Lagarde betont Zeit für Zinsentscheidungen

Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), hat aufgrund der niedrigen Arbeitslosenquoten in der Euro-Zone keinen dringenden Handlungsbedarf gesehen, die Leitzinsen weiter zu senken. "Der starke Arbeitsmarkt bedeutet, dass wir uns Zeit nehmen können, um neue Informationen zu sammeln", erklärte Lagarde am Montagabend in Sintra, Portugal. Gleichzeitig betonte sie jedoch, dass die Wachstumsaussichten weiterhin unsicher seien. In knapp drei Wochen steht der nächste Zinsentscheid der EZB an, und Lagardes Äußerungen verstärken den Eindruck, dass zunächst keine weitere Zinssenkung folgen wird.

Lagarde zeigte sich in ihrer Eröffnungsrede überrascht über die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Europa. Seit Ende 2022 sei die Beschäftigung trotz eines verlangsamten Wirtschaftswachstums um 2,6 Millionen Menschen gestiegen. Die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum befinde sich auf einem historischen Tiefstand, und eine "sanfte Landung" der europäischen Wirtschaft erscheine möglich. Mit einer "sanften Landung" ist gemeint, dass Unternehmen, Banken und Investoren die zahlreichen Zinserhöhungen in kurzer Zeit gut verkraften.

Die EZB hatte die Leitzinsen von Mitte 2022 bis September 2023 in zehn Schritten um 4,5 Prozentpunkte angehoben. Viele Ökonomen erwarteten aufgrund dieser Maßnahmen eine Rezession und steigende Arbeitslosigkeit, da höhere Zinsen normalerweise die Wirtschaft bremsen. Lagarde erklärte, dass diese Effekte zwar eingetreten seien, die Folgen für Wirtschaft und Beschäftigung jedoch weniger gravierend gewesen seien als in früheren Hochzinsphasen. Dies führte sie auf die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes zurück, der durch eine ungewöhnliche Mischung von Schocks geprägt sei, die den Euro-Raum getroffen hätten.

Ein wesentlicher Faktor war der Arbeitskräftemangel, der Unternehmen dazu veranlasste, trotz wirtschaftlicher Schwäche mehr Arbeitskräfte zu behalten. Höhere Gewinne und niedrigere Reallöhne hätten dies erleichtert, so Lagarde. Diese Entwicklung beginne sich jedoch zu ändern: Unternehmen zögerten mit weiteren Preiserhöhungen, und Beschäftigte forderten bei sinkenden Inflationsraten höhere Löhne, was ihre Kaufkraft stärkte. Dies könnte jedoch auch die Inflation wieder erhöhen.

Lagarde warnte, dass die Unternehmen ihre Gewinnmargen verringern müssten, um ein erneutes Anziehen der Teuerungsrate zu verhindern. Dies sei die Hoffnung der Entscheidungsträger im EZB-Rat. Allerdings gebe die anziehende Konjunktur seit dem Frühjahr den Firmen mehr Spielraum für Preiserhöhungen. Lagarde räumte ein, dass dies ein potenzielles Aufwärtsrisiko für die Inflation darstelle. Sie mahnte jedoch, dass angesichts des Ausmaßes des Inflationsschocks eine "weiche Landung" der Wirtschaft noch nicht garantiert sei.

Christine LagardeEZBEurozone Zinsen

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  3. Teslas 25-Milliarden-Wette: Vom Autobauer zum KI-Roboter-Konzern
  4. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  5. Führungswechsel bei Volksbank Brawo und L3Harris erschüttern Märkte

Disclaimer