Kurssturz bei Fluggesellschaftsaktien
Höhere Betriebskosten überschatten Rekordumsätze

Es war ein hoffnungsvoller Sommer für die europäische Luftfahrtbranche. Nach der Krise, die die Pandemie verursacht hatte, schien die Erholung durch Rekordzahlen und eine starke Nachfrage sichergestellt. Manager europäischer Airlines bereiteten sich darauf vor, in den kommenden Wochen beeindruckende Zahlen für das dritte Quartal des Jahres zu präsentieren. Doch wie das Sprichwort sagt, nach der Ruhe kommt der Sturm.
Die US-amerikanische Fluggesellschaft American Airlines lieferte kürzlich einen Vorgeschmack auf das, was kommen könnte. Der Konzern verzeichnete im dritten Quartal einen Verlust von 545 Millionen Dollar, was weit hinter den Erwartungen lag. Zu den Faktoren, die dazu beitrugen, gehörten steigende Personalkosten und ein Anstieg des Kerosinpreises. Nicht nur American Airlines, sondern auch andere große US-Fluggesellschaften wie United Airlines und Delta Air Lines haben ihre Gewinnprognosen für das Jahr 2023 reduziert.
Es stellt sich die Frage: Ist dies ein Vorbote für Europa? Experten zeigen sich besorgt. Zwar hat Europa den Höhepunkt der Krise später als die USA erreicht, aber es könnte auch später von den steigenden Kosten betroffen sein. Trotz der aktuellen positiven Daten in Europa ist die Unsicherheit groß. Werden die Ticketpreise über den Winter hinweg stabil bleiben? Wird die Nachfrage nachlassen?
Die Kerosinpreise sind ein besonders brennendes Thema. Lange Zeit bewegte sich der Preis für eine Tonne Jetfuel um 800 Dollar, nähert sich nun jedoch der 1000-Dollar-Marke. Die geopolitischen Unruhen, insbesondere in der Ukraine und im Nahen Osten, könnten den Ölpreis weiter in die Höhe treiben.
Airlines auf der ganzen Welt stehen vor der Herausforderung steigender Kosten. In den USA sind die Gehälter für das Cockpitpersonal dramatisch gestiegen, und in Europa haben viele Airlines ihre Mitarbeiter mit erhöhten Gehältern zurückgewonnen. Nach einer Zeit der Entlassungen während der Pandemie müssen Airlines nun höhere Löhne zahlen, um ihr Personal zu behalten oder zurückzugewinnen.
An den Finanzmärkten ist die Skepsis bereits zu spüren. Lufthansa hat fast ein Viertel ihres Werts eingebüßt. Andere große europäische Airlines wie IAG und Air France-KLM verzeichneten ebenfalls signifikante Verluste.
Carsten Spohr, CEO der Lufthansa, bleibt jedoch optimistisch. Er ist überzeugt, dass die starke Nachfrage anhalten wird und dass sich der Markt letztendlich stabilisieren wird. Andere Führungskräfte sind jedoch vorsichtiger und bereiten sich auf mögliche turbulente Zeiten vor.
