Krise trifft Autobauer und Zulieferer gleichermaßen
Absatzprobleme in China, schleppende E-Mobilität und Kostendruck belasten die Branche

Über Deutschlands Autoindustrie ziehen sich dunkle Wolken zusammen. Die Branche, die als Rückgrat der heimischen Wirtschaft gilt, kämpft gleichzeitig mit Absatzproblemen, hohen Investitionskosten und der schleppenden Umstellung auf Elektromobilität. Sowohl die großen Hersteller als auch deren Zulieferer sehen sich gezwungen, drastische Sparmaßnahmen einzuleiten.
Besonders deutlich wird dies beim Autozulieferer Bosch. Der Konzern mit Sitz in Gerlingen bei Stuttgart hat angekündigt, weitere 13.000 Stellen zu streichen, vor allem in der Zuliefersparte Mobility. Betroffen sind vor allem Standorte in Deutschland, ein Werk soll komplett geschlossen werden. Der Stellenabbau trifft damit eine Region, die traditionell stark vom Automobilbau geprägt ist.
Auch die Hersteller selbst stehen unter erheblichem Druck. Unternehmen wie Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW, Porsche und Audi meldeten zuletzt deutliche Gewinneinbrüche. Um gegenzusteuern, setzen sie auf umfangreiche Sparprogramme. Diese belasten die Bilanzen zunächst zusätzlich, unter anderem wegen hoher Kosten für Abfindungen. Die Hoffnung liegt darauf, die Ertragslage langfristig zu stabilisieren.
Noch schwieriger ist die Lage vieler Zulieferer. Branchenexperten sehen ihre Situation sogar düsterer als die der Hersteller. Ein Grund: Wenn weniger Fahrzeuge produziert werden, sinkt auch die Nachfrage nach Teilen. Gleichzeitig setzen die Autobauer, die selbst unter Kostendruck stehen, ihre Partner in den Verhandlungen massiv unter Druck. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sprach zuletzt von einer existenzbedrohenden Lage für zahlreiche Zulieferer, die zwischen hohen Investitionen und ausbleibenden Erträgen zerrieben würden.
Die Ursachen der Krise sind vielfältig. Besonders ins Gewicht fallen die Absatzprobleme auf dem chinesischen Markt. Dort haben deutsche Hersteller mit sinkender Kaufkraft zu kämpfen und sehen sich zugleich wachsendem Wettbewerb durch heimische Anbieter ausgesetzt, die Fahrzeuge zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten. Hinzu kommt, dass der Umstieg auf Elektromobilität nicht den erhofften Schwung gebracht hat. Zwar fließen hohe Investitionen in neue Modelle, doch die Nachfrage bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Experten weisen zudem darauf hin, dass die deutschen Hersteller Trends verschlafen hätten. Bei der Elektromobilität finden sie auf wichtigen Auslandsmärkten, etwa in China, kaum Anklang bei jüngeren Käufern. Auch beim autonomen Fahren fehlt es an Wettbewerbsfähigkeit. Diese Rückstände schwächen die Position deutscher Autobauer im internationalen Vergleich.
Für die deutsche Wirtschaft hat die Entwicklung große Bedeutung. Die Autoindustrie gilt als eine der wichtigsten Branchen des Landes und ist eng mit zahlreichen anderen Industriezweigen verflochten. Gerät sie ins Straucheln, trifft dies ganze Regionen besonders hart. In Baden-Württemberg heißt es nicht ohne Grund: Wenn Mercedes hustet, bekommt Stuttgart eine Grippe.
