Krise der Autozulieferer spitzt sich zu
Insolvenzwelle, Standortnachteile und schwierige Verhandlungen belasten die Branche

Die Lage in der Automobilzulieferindustrie bleibt angespannt. Zu Jahresbeginn meldete der Oberflächenveredler der mbw-Gruppe Insolvenz an, was 320 Beschäftigte betrifft. Wenige Wochen später entschied das Stahlwerk Georgsmarienhütte, das vorrangig die Autoindustrie beliefert, seinen Elektroofen tagsüber aus Kostengründen abzuschalten. Gegen Ende des Monats folgte die Insolvenz des Autozulieferers Voit, der auf Druckguss-Komponenten spezialisiert ist.
Die Anzahl der Insolvenzen in der Branche ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Laut der Restrukturierungsberatung Falkensteg waren 2024 insgesamt 56 Automobilzulieferer betroffen, was einer Zunahme von 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Prognosen für 2025 sind weiterhin pessimistisch, mit erheblichen Einschnitten in Form von Restrukturierungen, Personalabbau und Standortschließungen. Christian Vietmeyer von der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie betont, dass unter den mittelständischen Unternehmen kaum Zuversicht herrscht.
Besonders hart trifft es kleinere Betriebe mit geringen Margen und weniger komplexen Bauteilen. Alexander Timmer, Experte bei der Auto-Beratung Berylls by AlixPartners, erklärt, dass Unternehmen, die keine frühzeitigen Verhandlungen mit den Automobilherstellern begonnen haben, nur noch geringe Chancen auf finanzielle Zugeständnisse haben. Da die Margen der Autobauer unter Druck stehen, sind auch deren Rückstellungen für Zuliefererverhandlungen knapper als zuvor.
Timmer zufolge stehen besonders jene Unternehmen unter Druck, die einen Umsatz von unter einer Milliarde Euro verzeichnen. Ihre finanziellen Rücklagen sind durch die vergangenen Krisen bereits stark geschrumpft. Zudem sind energieintensive Bereiche besonders betroffen, darunter Produzenten von Gussteilen, Schläuchen oder Glas. Auch einige sogenannte Hidden Champions, die bislang als stabile Marktakteure galten, geraten zunehmend in Schwierigkeiten.
Ein weiteres Problem sind die niedrigen Abrufzahlen für neu entwickelte Bauteile für Elektrofahrzeuge. Diese erfordern hohe Entwicklungskosten, doch mangels hoher Stückzahlen fehlen die nötigen Skalierungseffekte. Christian Vietmeyer berichtet, dass viele Zulieferer versuchen, in den Nachverhandlungen höhere Preise für diese Bauteile durchzusetzen, was jedoch für mittelständische Unternehmen eine enorme Herausforderung darstellt.
Zudem sind viele der früher aus Kostengründen gewährten Zugeständnisse vonseiten der Automobilhersteller inzwischen zurückgenommen worden. Standortnachteile lassen sich immer schwerer rechtfertigen, und einige Unternehmen bereiten sich auf einen Rückzug aus dem Automobilsektor vor. Laut Vietmeyer wird dieser Schritt von den Herstellern jedoch mit wachsender Besorgnis verfolgt, da sich nicht jeder Zulieferer in der Lieferkette kurzfristig ersetzen lässt.
