Krise bei VW gefährdet Investitionsentscheidungen
Werksschließungen und Stellenabbau drohen – Tarifverhandlungen mit IG Metall beginnen diese Woche

Die geplante Entscheidung über Milliardeninvestitionen bei Volkswagen steht auf der Kippe. In der kommenden Woche wollte der Aufsichtsrat von Europas größtem Autokonzern ursprünglich über die Investitionsplanung der nächsten fünf Jahre entscheiden. Doch aufgrund der aktuellen Krise bei VW könnte es vorerst zu keiner Einigung kommen. Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, dass die schwierige Lage des Unternehmens zu zahlreichen offenen Fragen geführt hat, darunter die Zukunft einiger deutscher Werke. Im Mittelpunkt steht ein grundlegender Umbau der Kernmarke VW, der einen erheblichen Stellenabbau nach sich ziehen könnte. Auch Werksschließungen sind im Gespräch, was die Investitionsentscheidungen zusätzlich belastet.
Ein Treffen des Aufsichtsrats ist für Freitag geplant, jedoch könnte das Gremium zunächst das Management unter der Führung von VW-Chef Oliver Blume darum bitten, die aktuelle Situation genau zu analysieren. Diese Woche wird damit entscheidend für Blume, der unter Beweis stellen muss, dass er den Konzern in diesen schwierigen Zeiten erfolgreich steuern kann. Bereits am Mittwoch beginnen die Tarifverhandlungen zwischen VW und der Gewerkschaft IG Metall, gefolgt von einem Treffen zwischen dem Management und den Betriebsratsvorsitzenden am Donnerstag. Das Verhältnis zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretung gilt dabei als besonders angespannt.
Im Vorfeld der Tarifgespräche äußerte sich der Verhandlungsführer der IG Metall, Thorsten Gröger, kritisch. Volkswagen habe mit der Aufkündigung der gemeinsamen Tarifverträge eine langjährige Kultur der Mitbestimmung zerstört und verschärfe die Lage durch die Drohung von Werksschließungen. Auch die geplanten Einsparungen bei der VW-Kernmarke sorgen für Unruhe. Bis 2026 müssen zehn Milliarden Euro eingespart werden, doch derzeit klafft eine Lücke von vier Milliarden Euro. Spekulationen über den Abbau von bis zu 30.000 Stellen machen die Runde, doch offizielle Angaben zum Umfang des Stellenabbaus gibt es bisher nicht.
Zudem ist unklar, wie hoch die Investitionssumme für die nächsten fünf Jahre sein wird. Im Raum stehen 160 Milliarden Euro, was unter der ursprünglich vorgesehenen Summe von 165 Milliarden Euro liegt. Diese Kürzungen könnten das Stammwerk in Wolfsburg betreffen, das möglicherweise nicht wie geplant den Auftrag für ein elektrisches Kompakt-SUV erhält. Auch die Zukunft der geplanten Elektro-Plattform SSP ist unsicher.
