Kontroversen um Schaefflers Übernahmeplan
Ninety One kritisiert Preis und Prozess des Vitesco-Aktienerwerbs

In einer bemerkenswerten Wendung im geplanten Übernahmeprozess hat der Vitesco-Chef Andreas Wolf Zugeständnisse von Schaeffler verlangt. In einer Aussage an die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat er das Feedback einiger Investoren hervorgehoben, das in den gesamten Überlegungsprozess integriert werden sollte.
Schaeffler hat, wie berichtet, ein Übernahmeangebot für Vitesco vorgelegt. Mit dieser geplanten Übernahme möchte Schaeffler seine Position inmitten der laufenden Transformation im Automobilsektor festigen. Ein kritischer Punkt hierbei ist die bereits bestehende signifikante Beteiligung der Eigentümerfamilie Schaeffler an Vitesco. Durch ihre Holding besitzen sie bereits knapp 50 Prozent der Vitesco-Aktien, was den ersten Schritt der Übernahme sehr wahrscheinlich macht.
Herr Wolf betonte in seiner Erklärung die Wichtigkeit der Unternehmenswerte, -strukturen, -prozesse und insbesondere der Mitarbeitermotivation. Diese Aspekte seien entscheidend, um die Erfolgsgeschichte von Vitesco in einem fusionierten Unternehmen fortzusetzen. Er legte auch besonderen Wert auf den Erhalt des Standorts Regensburg und beabsichtigt, langfristige Garantien zu diesem Zweck zu erwirken.
Die Kontroverse wurde durch den Aktionär Ninety One noch intensiviert, welcher in einem Brief an den Vorstand die Bedenken gegenüber der geplanten Übernahme deutlich machte. Der Brief, der Reuters vorliegt, legt dar, dass der vorgeschlagene Übernahmeprozess die Minderheitsaktionäre benachteilige. Ein weiterer Streitpunkt ist die Bewertung von Vitesco. Mit einem Preis von 91 Euro je Aktie wird Vitesco laut dem Aktionär unterbewertet.
Die endgültige Entscheidung über die Übernahme hängt jedoch von der Hauptversammlung ab. Um die verbleibenden Vitesco-Aktien in Schaeffler-Aktien umzuwandeln, ist eine Mehrheit von 75 Prozent der Vitesco-Aktien erforderlich.
