KI-Steuer-Angst vernichtet 300 Milliarden Dollar: Chip-Aktien unter Druck
Ein südkoreanischer Vorschlag zur Besteuerung von KI-Gewinnen löste einen massiven Ausverkauf bei Halbleiteraktien weltweit aus.

Halbleiteraktien gerieten am Dienstag weltweit unter Druck, nachdem ein hochrangiger südkoreanischer Regierungsbeamter eine sogenannte „Bürgerdividende" vorschlug, die durch Steuern auf KI-Gewinne finanziert werden soll. Allein am koreanischen Leitindex Kospi wurden zeitweise mehr als 300 Milliarden US-Dollar an Marktwert vernichtet. Der Vorschlag schürte bei Anlegern Sorgen über mögliche Abgaben auf Chiphersteller und den gesamten Technologiesektor.
Samsung Electronics verlor bis zu 4 Prozent, SK Hynix gab ebenfalls um 4 Prozent nach. Auch US-amerikanische Chip-Werte blieben nicht verschont: Micron Technology verzeichnete ein Minus von 2,3 Prozent, SanDisk sank um 3,3 Prozent, AMD verlor 2 Prozent und selbst der KI-Branchenprimus Nvidia gab um 0,75 Prozent nach. Der Kospi brach zwischenzeitlich um bis zu 5,1 Prozent ein, bevor er den Handel mit einem Minus von 2,3 Prozent beendete.
Auslöser: Ein Facebook-Post sorgt für Turbulenzen
Ausgangspunkt der Turbulenzen war ein Facebook-Post von Kim Yong-beom, dem Leiter der südkoreanischen Präsidialpolitik. Darin schlug er vor, das Land solle Dividenden an seine Bürger ausschütten und dafür Steuern auf KI-Gewinne heranziehen. Der Vorschlag traf den Markt unvorbereitet und löste sofortige Verkaufswellen aus, da Anleger eine neue Übergewinnsteuer auf Technologieunternehmen befürchteten.
Kim ruderte jedoch später zurück und stellte klar, dass er lediglich „überschüssige Steuereinnahmen" aus dem KI-Boom nutzen wolle – und keine neue Sondersteuer auf Unternehmensgewinne plane. Zusätzlich erklärte ein Beamter des südkoreanischen Präsidialamtes, Kims Äußerungen stellten seine persönliche Meinung dar und seien nicht Teil formeller politischer Diskussionen. Nach dieser Klarstellung konnten Samsung und SK Hynix einen Teil ihrer Verluste wieder aufholen.
Marktreaktion zeigt Sensibilität der Anleger
„Einige deutliche Marktbewegungen über Nacht gingen mit einem starken Rückgang des KOSPI einher, nachdem ein hochrangiger Beamter die Idee einer ‚Bürgerdividende' auf KI-Gewinne ins Spiel gebracht hatte, was auch die Stimmung im Technologiesektor belastete", kommentierte Peter Sidorov, Analyst bei der Deutschen Bank. Die Reaktion verdeutlicht, wie empfindlich die Märkte auf regulatorische Signale reagieren, die den hochprofitablen KI-Sektor betreffen.
Der Vorfall spiegelt den wachsenden gesellschaftlichen Druck in Südkorea wider, dass Branchenführer die Gewinne aus dem globalen KI-Infrastrukturboom stärker teilen sollen. Südkorea ist mit Samsung und SK Hynix ein zentraler Akteur im weltweiten Halbleitermarkt – beide Unternehmen profitieren erheblich von der steigenden Nachfrage nach KI-Chips und Speicherbausteinen. Entsprechend groß ist die politische Aufmerksamkeit für die Gewinne der Branche.
Für deutsche Anleger, die in Halbleiter- oder KI-Aktien investiert sind, zeigt der Vorfall einmal mehr: Regulatorische Risiken können auch aus unerwarteten Richtungen kommen. Während Kims Ideen noch vorläufig und nicht offiziell sind, hat die Marktreaktion gezeigt, wie sensibel der Sektor auf potenzielle Gewinnbeteiligungsmaßnahmen reagiert – selbst wenn diese letztlich nicht umgesetzt werden.
