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KI-Boom bedroht den De-Equitisation-Put am Aktienmarkt

Ein schrumpfendes Aktienangebot stützte jahrelang den Bullenmarkt – doch der KI-Investitionsboom könnte diesen Mechanismus nun beenden.

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KI-Boom bedroht den De-Equitisation-Put am Aktienmarkt

Ein strukturelles Fundament des aktuellen Bullenmarktes gerät ins Wanken. Jahrelang haben Aktienrückkäufe, Delistings und ausbleibende Börsengänge das Angebot an Aktien schrumpfen lassen – ein Phänomen, das Strategen als „De-Equitisation" bezeichnen. Nun deutet der massive Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz darauf hin, dass sich dieser Trend umkehren könnte.

Das analysiert ein ehemaliger Chefstratege für globale Aktien bei der Citigroup, der heute als Senior Adviser bei Engine AI und Investa tätig ist. Seine These: Der sogenannte De-Equitisation-Put – also die stützende Wirkung eines schrumpfenden Aktienangebots auf die Kurse – könnte zumindest in den USA zu schwinden beginnen.

Was ist De-Equitisation?

Der Begriff beschreibt den Prozess, bei dem der öffentliche Aktienmarkt schrumpft. Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück, Private-Equity-Investoren nehmen börsennotierte Firmen von der Börse, und gleichzeitig versiegen Börsengänge sowie neue Aktienemissionen. Laut Datastream haben sowohl der US-amerikanische als auch der britische Aktienmarkt in jedem der letzten vier Jahre in gewissem Maße eine De-Equitisation erfahren.

Dieser Trend begann nach dem Platzen der Dotcom-Blase. Im Jahr 2003 war der S&P 500 gegenüber seinen Höchstständen um 50 Prozent gefallen, die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen sanken auf 3 Prozent. Institutionelle Anleger mieden Aktien, was Unternehmen und Private-Equity-Investoren die Möglichkeit gab, günstig einzukaufen und Aktien vom Markt zu nehmen. Die Equitisation endete – die De-Equitisation begann.

Der aktuelle Tech-Bullenmarkt unterschied sich dabei fundamental von früheren Booms. In den Jahren 1998 bis 2000 erhöhte der US-IT-Sektor seine Eigenkapitalbasis um 40 Prozent. In den letzten vier Jahren hingegen schrumpfte sie um 4 Prozent. Große Tech-Unternehmen benötigten schlicht keine externe Finanzierung – ihre kapitalarmen Geschäftsmodelle erlaubten es ihnen, Milliarden an Aktionäre zurückzugeben. Die sogenannten „Magnificent 7"-Tech-Aktien kauften allein im Jahr 2025 Aktien im Wert von 230 Milliarden US-Dollar zurück.

Der KI-Boom verändert das Modell

Genau dieses kapitalarme Modell steht nun unter Druck. <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft werden in diesem Jahr gemeinsam voraussichtlich 725 Milliarden US-Dollar investieren, um im KI-Wettbewerb zu bestehen. Als direkte Folge haben Meta und Alphabet ihre Aktienrückkäufe pausiert – ein drastischer Wandel gegenüber den insgesamt 92 Milliarden US-Dollar, die beide Unternehmen im Jahr 2024 an den Markt zurückgegeben hatten.

Apple hat sich entschieden, diesen Investitionsboom vorerst auszusitzen, und kündigte für 2026 weitere Rückkäufe im Volumen von 100 Milliarden US-Dollar an. Doch auch hier ist die stützende Wirkung geringer als früher: Bei einer Marktkapitalisierung von insgesamt 4,3 Billionen US-Dollar lassen sich mit 100 Milliarden US-Dollar deutlich weniger Apple-Aktien kaufen als noch vor einigen Jahren.

Parallel dazu findet ein weiterer bedeutsamer Wandel statt. Bislang wurde neues Tech-Kapital überwiegend privat aufgenommen – OpenAI und Anthropic sammelten im Jahr 2026 privat insgesamt 152 Milliarden US-Dollar ein. Doch nun prüfen SpaceX, OpenAI und Anthropic Börsengänge und streben eine gemeinsame Bewertung von bis zu 4 Billionen US-Dollar an.

Mögliche Belastung für öffentliche Märkte

Diese Entwicklung könnte erhebliche Folgen für den öffentlichen Aktienmarkt haben. Eine gemeinsame Bewertung von 4 Billionen US-Dollar würde einer Ausweitung des Eigenkapitals am US-Aktienmarkt um rund 6 Prozent entsprechen – ein Wert, der zuletzt während der Blase Ende der 1990er Jahre erreicht wurde. Frühinvestoren und Mitarbeiter dieser Unternehmen werden bei Börsengängen zumindest teilweise Kasse machen wollen. Ihre nicht verkauften Aktien könnten die öffentlichen Märkte über Jahre hinweg belasten.

Der De-Equitisation-Put war ein wesentlicher Grund dafür, dass der aktuelle Bullenmarkt hohen Bewertungen, steigenden Zinsen, Handelskriegen und geopolitischen Spannungen trotzen konnte. Es gab zwar periodische Marktschwankungen, denen aber kein Überangebot an Aktien vorausging – wie es beim Platzen früherer Blasen stets der Fall war. Stattdessen kauften börsennotierte Unternehmen weiterhin ihre Aktien zurück, und Private Equity nahm weiterhin Unternehmen von der Börse.

Wie jeder Wirtschaftsstudent weiß, sollten ein sinkendes Angebot und eine steigende Nachfrage zu höheren Preisen führen. Die Bären haben diesen Punkt laut dem Analysten übersehen. Doch nun zeichnet sich am Horizont eine beträchtliche Menge an neuem Aktienangebot ab – und damit eine mögliche Zeitenwende für einen der langlebigsten Stützungsmechanismen des Bullenmarktes.

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