KI-Ängste belasten US-Aktien: Pinterest und Unity brechen ein
Sorgen um KI-Verdrängung treffen Logistik, Finanz- und Tech-Werte. Oracle profitiert von OpenAI-Hoffnungen.

Eine volatile Handelswoche hat die US-Aktienmärkte durchgeschüttelt. Der sogenannte "AI Displacement Trade" – Sorgen über die Verdrängung etablierter Geschäftsmodelle durch Künstliche Intelligenz – setzte zahlreiche Schwergewichte unter Druck. Während einige Unternehmen deutliche Kursverluste hinnehmen mussten, profitierten andere von positiven Geschäftszahlen.
Besonders hart traf es den Logistikkonzern C.H. Robinson Worldwide (CHRW), dessen Aktie am Donnerstag um über 14 Prozent einbrach und auf Wochensicht mehr als 10 Prozent verlor. Auch der Broker Charles Schwab musste einen Wochenverlust von rund 9 Prozent verkraften. CEO Walt Bettinger zeigte sich gegenüber Bloomberg TV "enttäuscht und überrascht" über den Ausverkauf, da das Unternehmen bereits von KI profitiere und diese im Kundenkontakt einsetze.
Der Immobiliendienstleister CBRE Group verzeichnete einen dramatischen Kursrutsch von 15,2 Prozent innerhalb einer Woche. Neben den allgemeinen KI-Sorgen belasteten auch enttäuschende Quartalszahlen mit schwächeren Umsätzen als erwartet die Aktie.
Pinterest und Unity enttäuschen Anleger
Besonders schwer erwischte es die Social-Media-Plattform Pinterest. Nach Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstagabend stürzte die Aktie am Freitag um mehr als 18 Prozent ab – auf Wochensicht summiert sich das Minus auf über 22 Prozent. Sowohl Gewinn als auch Umsatz im vierten Quartal blieben hinter den Analystenschätzungen zurück. Auch die Prognose für das erste Quartal enttäuschte.
"Unsere Begeisterung für den einzigartigen Anwendungsfall von Pinterest wird von den Schwierigkeiten bei der Monetarisierung und der übermäßigen Anfälligkeit für makroökonomische Bedingungen überschattet", erklärte Loop-Capital-Analyst Rob Sanderson. Er stufte die Aktie auf "Hold" herab und rechnet damit, dass es mehrere Quartale dauern wird, bis das Vertrauen der Anleger wiederhergestellt ist.
Auch Unity Software traf es hart. Die Aktie brach am Mittwoch um über 26 Prozent ein und liegt auf Wochensicht 21 Prozent im Minus. Trotz übertroffener Erwartungen bei Gewinn und Umsatz im vierten Quartal enttäuschte die Umsatzprognose für das erste Quartal die Investoren deutlich.
Cisco kämpft mit Margendruck
Cisco Systems verlor am Donnerstag mehr als 12 Prozent an Wert, obwohl der Netzwerkausrüster die Erwartungen bei Gewinn und Umsatz übertraf. Die niedriger als erhofft ausgefallenen Bruttomargen sorgten für Enttäuschung bei den Anlegern. UBS-Analyst David Vogt erwartet für das Geschäftsjahr 2026 nun eine Bruttomarge von 67,1 Prozent statt der zuvor geschätzten 68,0 Prozent. Grund seien höhere Kosten für Speicherkomponenten.
Applied Materials und Oracle als Gewinner
Nicht alle Technologiewerte litten unter dem Marktumfeld. Applied Materials legte am Freitag um mehr als 8 Prozent zu, nachdem der Halbleiterausrüster überzeugende Quartalszahlen vorgelegt hatte. Das Brokerhaus Summit Insights stufte die Aktie auf "Buy" hoch und verwies auf erwartete Ausgabensteigerungen für Wafer-Fab-Equipment bis zur zweiten Jahreshälfte 2026.
Oracle erlebte nach wochenlanger Schwäche eine Erholung und gewann über 15 Prozent. DA-Davidson-Analyst Gil Luria hob die Aktie von "Neutral" auf "Buy" an. Er begründete dies damit, dass ein neu aufgestelltes OpenAI seine Verpflichtungen gegenüber Oracle erfüllen könne, was "die größte Sorge in Bezug auf Oracle ausräumen wird".
