Kabeldiebstahl bringt spanischen Bahnverkehr zum Stillstand
Tausende Passagiere übernachten in Zügen – Minister spricht von schwerer Sabotage

Der spanische Bahnverkehr ist erneut erheblich gestört worden. Ursache war diesmal ein gezielter Kabeldiebstahl, der vor allem die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Andalusien sowie teilweise die Verbindung nach Barcelona betraf. Nach Angaben der Behörden waren 30 Fernverkehrszüge betroffen, in denen sich insgesamt 10.700 Passagiere befanden. Viele von ihnen mussten über Nacht in den Zügen ausharren, da der Zugverkehr zeitweise vollständig zum Erliegen kam.
Zahlreiche Fahrgäste berichteten von stundenlangen Wartezeiten in dunklen, unbeheizten Waggons ohne ausreichende Versorgung. Ein junger Passagier schilderte gegenüber einem Reporter des staatlichen Fernsehsenders RTVE, dass er gemeinsam mit Hunderten anderen Menschen die Nacht in einem stillstehenden Zug verbrachte – ohne Essen und mit wenig Wasser. Während er die Situation als ein Abenteuer empfand, verwies er zugleich auf das Leid vieler Eltern mit Kleinkindern und älterer Menschen an Bord.
Der spanische Verkehrsminister Óscar Puente sprach von einem "schweren Sabotageakt". In der Provinz Toledo südlich von Madrid seien an mehreren Stellen Kupferkabel entwendet worden, die für die Signaltechnik der Bahn unerlässlich sind. Zusätzlich sei eine Oberleitung beschädigt worden, was jedoch auf einen Zug zurückzuführen sei und nicht im Zusammenhang mit dem Diebstahl stehe. Kupfer wird derzeit auf dem Weltmarkt zu hohen Preisen gehandelt, was solche Delikte zunehmend lukrativ macht.
Auch am Montagvormittag kam es noch zu erheblichen Beeinträchtigungen. Viele Züge fielen aus oder waren stark verspätet. Erst gegen Mittag erklärte Verkehrsminister Puente, dass sich die Lage weitgehend normalisiert habe. Bis zum Nachmittag solle der Bahnverkehr wieder vollständig aufgenommen werden. Zahlreiche Passagiere warteten bis dahin weiterhin in Bahnhofshallen wie dem Atocha-Almudena Grandes in Madrid.
Der Vorfall folgt nur eine Woche nach einem großflächigen Stromausfall auf der iberischen Halbinsel, der ebenfalls den Bahnverkehr schwer beeinträchtigte. Damals waren sowohl Spanien als auch Portugal betroffen, und Tausende Menschen strandeten auf Bahnhöfen und in Zügen. Die Ursache für den Stromausfall ist weiterhin unklar. Eine Cyberattacke wurde von den zuständigen Netzbetreibern ausgeschlossen.
