Julius Bär sammelt Milliarden, steht aber unter Druck
Wachstumsraten steigen, doch Signa-Skandal und Margen belasten die Bank

Die Schweizer Bank Julius Bär hat im zweiten Halbjahr 2024 deutliche Fortschritte bei der Akquise neuer Kundengelder erzielt. Zwischen Juli und Oktober konnten 7,5 Milliarden Franken von wohlhabenden Privatkunden eingesammelt werden, was einer Wachstumsrate von 4,8 Prozent auf das Jahr hochgerechnet entspricht. Im Vergleich dazu hatte die Bank in der ersten Jahreshälfte lediglich eine Wachstumsrate von 1,7 Prozent verzeichnet. Ein erheblicher Teil des Neugelds stammt jedoch aus einer einzelnen Transaktion, deren Mittel im November größtenteils wieder abgezogen wurden. Ohne diesen Sondereffekt lag das Wachstum im genannten Zeitraum bei 4,2 Prozent und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.
Die Bank sieht sich weiterhin mit den Folgen ihrer Geschäftsbeziehungen zur insolventen Signa-Gruppe des Investors René Benko konfrontiert. Im Februar 2024 entschied Julius Bär, ihre Engagements in Signa vollständig abzuschreiben, was zum Rücktritt des bisherigen CEO Philipp Rickenbacher führte. Der für Anfang 2025 angekündigte neue Konzernchef Stefan Bollinger wird sein Amt nun konkret am 9. Januar antreten. Parallel untersucht die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma die Signa-Geschäfte, wobei die Bank hierzu in engem Austausch mit der Behörde steht. Ein Abschluss dieser Untersuchungen ist derzeit nicht absehbar.
Infolge der regulatorischen Unsicherheiten plant Julius Bär, die Rückkäufe eigener Aktien bis auf Weiteres auszusetzen. Die Finanzchefin Evie Kostakis erklärte, dass der Verwaltungsrat eine Wiederaufnahme erst nach Abschluss der behördlichen Prüfung in Betracht ziehen werde. Eine Rückkehr zur regulären Kapitalausschüttungspolitik sei voraussichtlich erst im kommenden Jahr zu erwarten.
Trotz der Fortschritte beim Neugeld bleibt die Rentabilität eine zentrale Herausforderung für die Bank. In den ersten zehn Monaten des Jahres sanken die Bruttoerträge im Verhältnis zu den verwalteten Vermögen. Gleichzeitig lag der Kosten-Ertragssatz mit 71 Prozent deutlich über dem angestrebten Zielwert von 64 Prozent. Das laufende Sparprogramm, das Einsparungen von 145 Millionen Franken bis 2025 vorsieht, konnte bisher nur begrenzt Abhilfe schaffen. Kostakis schloss daher weitere Sparmaßnahmen in naher Zukunft nicht aus.
Analysten bewerteten die Zwischenbilanz gemischt. Während die Steigerung der Nettoneugelder positiv hervorgehoben wurde, wurden die rückläufigen Margen als Schwachpunkt identifiziert. Dieser Bereich könnte laut Experten für den neuen CEO Bollinger ein wesentlicher Fokus seiner zukünftigen Arbeit sein. Die Aktien der Bank reagierten an der Schweizer Börse kaum auf die aktuellen Entwicklungen.
