JP Morgan verschiebt Start von Chase in Deutschland
Fokus auf nachhaltiges Wachstum und Expansion im europäischen Mittelstand

JP Morgan verzögert den Start seiner Onlinebank Chase in Deutschland und setzt auf einen bedächtigen Eintritt ins Privatkundengeschäft. Laut Stefan Povaly, dem JP-Morgan-Manager, wird es noch einige Zeit dauern, bis Chase in Deutschland verfügbar sein wird. Das Ziel sei, ein sicheres und nachhaltiges Unternehmen zu schaffen, das langfristig wachsen kann, ohne übereilte Schritte zu unternehmen. Der neue Chef für Chase in Deutschland, Daniel Llano, wechselt von der ING und beginnt seine Tätigkeit im April. Povaly betont, dass Llano die nötige Zeit erhalten wird, um sich einzuarbeiten und seine Vorstellungen in das Projekt einzubringen.
In Großbritannien ist die Einführung von Chase seit 2021 erfolgreich verlaufen, und JP Morgan konnte dort wertvolle Erfahrungen sammeln, die nun in den deutschen Marktstart einfließen sollen. Konkrete Termine für den Start in Deutschland nannte Povaly nicht, aber es wird spekuliert, dass dies frühestens Ende 2025 oder gar erst 2026 erfolgen könnte. Dies wäre später als von vielen erwartet, da JP-Morgan-Chef Jamie Dimon den Markteintritt bereits im Juli 2023 angekündigt hatte. Der geplante Start von Chase in Deutschland sorgt in der Finanzbranche für Aufsehen, da JP Morgan aufgrund seiner Finanzkraft als starker Wettbewerber angesehen wird, der Kunden von etablierten Banken wie der Deutschen Bank, Commerzbank und ING gewinnen könnte.
Neben dem Privatkundengeschäft konzentriert sich JP Morgan in Deutschland bislang vor allem auf Unternehmenskunden, institutionelle Investoren und vermögende Privatpersonen. Künftig soll es mit Chase auch ein Angebot für klassische Privatkunden geben. Zusätzlich plant die Bank, neben ihrem Hauptsitz in Frankfurt neue Büros in Berlin und München zu eröffnen – voraussichtlich 2025 und 2026.
Der Brexit hat für JP Morgan in Deutschland zu einer deutlichen Erweiterung der Geschäftstätigkeit geführt. Povaly berichtet, dass der Kundenstamm in Deutschland in den letzten Jahren um über 50 Prozent gewachsen ist. Die Bilanzsumme von JP Morgan SE in Frankfurt erreichte Ende 2023 421 Milliarden Euro, womit die Bank zur Nummer fünf in Deutschland aufgestiegen ist. Auch die Zahl der Mitarbeiter hat sich aufgrund des Brexits und weiterer Verlagerungen mehr als verdoppelt und liegt nun bei über 800.
Povaly, der 2020 von London nach Frankfurt zog, kehrt für seinen neuen Posten als Co-Chef des Firmenkundengeschäfts in Europa, Nahost und Afrika wieder nach London zurück. Sein Fokus liegt auf der Expansion des Mittelstandsgeschäfts in Europa und dem Nahen Osten, insbesondere in Märkten wie Polen, Griechenland, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
