JP Morgan startet mit neuem Chef in Deutschland
Daniel Llano soll Marktstart der Onlinebank Chase vorantreiben und Kunden gewinnen

JP Morgan hat einen entscheidenden Schritt für den Eintritt in den deutschen Privatkundenmarkt gemacht. Die US-Bank hat den bisherigen Chef des Privatkundengeschäfts von ING Deutschland, Daniel Llano Manibardo, als neuen Leiter ihrer deutschen Onlinebank „Chase“ verpflichtet. Dies wurde in einer internen Mitteilung bekanntgegeben, die dem Handelsblatt vorliegt. Llano soll maßgeblich den bevorstehenden Marktstart von Chase in Deutschland im Jahr 2025 vorantreiben. Branchenkenner sehen diesen Wechsel als cleveren Schachzug, da Llano bei ING mit hohen Tagesgeldzinsen erfolgreich Kunden gewonnen hat.
Llano bringt langjährige Erfahrung aus dem Bankensektor mit. Der 49-Jährige startete seine Karriere 1997 als Investmentbanker bei JP Morgan in London, bevor er nach Spanien zurückkehrte, um für Arthur Andersen zu arbeiten. 2021 wechselte er zur spanischen Tochter der ING und übernahm später verschiedene Führungspositionen, unter anderem in Rumänien und Deutschland. Seit 2020 war er bei ING Deutschland für das Privatkundengeschäft verantwortlich. Seine Expertise und seine Kenntnisse des deutschen Marktes machen ihn für JP Morgan zu einem wertvollen Zugewinn.
Es wird spekuliert, dass Llano seine erfolgreiche Strategie der hohen Tagesgeldzinsen auch bei JP Morgans Chase Onlinebank einsetzen könnte. Bei ING trug diese Strategie maßgeblich dazu bei, dass im ersten Halbjahr 2024 zusätzliche Einlagen in Höhe von 10,5 Milliarden Euro gewonnen wurden. Ein ähnlicher Ansatz könnte JP Morgan helfen, sich schnell auf dem hart umkämpften deutschen Markt zu etablieren. JP Morgan ist bislang mit Chase nur in Großbritannien aktiv, wo sie 2021 mit einem Bonusprogramm starteten und inzwischen auch Tagesgeldkonten sowie Investmentprodukte anbieten.
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon sieht den Markteintritt in Deutschland optimistisch. Dimon betonte, dass sich der Privatkundenmarkt stark verändert habe, insbesondere durch die Möglichkeit, Banken rein digital zu betreiben, ohne Filialnetz. JP Morgan könne zudem auf die bestehenden Strukturen und Ressourcen des Konzerns zurückgreifen, was den Aufwand beim Eintritt in neue Märkte erheblich reduziere. Trotz der Konkurrenz durch etablierte Direktbanken wie ING, DKB, Comdirect und N26 ist Dimon zuversichtlich, dass Chase eine starke Position im deutschen Markt einnehmen wird.
