Jim Cramer: Zinsen – nicht Iran-Krieg – treiben die Aktienmärkte
CNBC-Moderator Jim Cramer erklärt, warum der S&P 500 trotz eskalierender Spannungen im Nahen Osten kaum nachgibt.

Jim Cramer, bekannter Börsenmoderator des US-Senders CNBC, hat am Montag eine klare Botschaft an Anleger gerichtet: Die Widerstandsfähigkeit der Wall Street gegenüber dem Iran-Konflikt sei kein Zufall, sondern ein Zeichen dafür, dass Investoren ihren Blick fest auf das Wesentliche gerichtet halten – die Zinssätze. Trotz steigender Ölpreise infolge von Versorgungsunterbrechungen in der Straße von Hormus hat sich der S&P 500 in den vergangenen Wochen bis auf rund 1,5 Prozent an seinen Rekordschlussstand vom Januar angenähert.
Diese Entwicklung widerspricht laut Cramer historischen Mustern. Normalerweise würden stark steigende Energiekosten die Aktienmärkte erheblich belasten. Doch diesmal verhält sich der Markt anders – und Cramer hat eine Erklärung dafür.
Zinsen als entscheidender Faktor
Der Schlüssel liegt in der Entwicklung der Anleiherenditen. Nachdem die Renditen infolge der US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar zunächst sprunghaft angestiegen waren, sind sie anschließend wieder gesunken. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe erreichte ihren Höchststand am 27. März – der niedrigste Schlusskurs des S&P 500 in diesem Jahr wurde kurz darauf am 30. März verzeichnet. Dieser zeitliche Zusammenhang ist für Cramer kein Zufall.
Sinkende Anleiherenditen ermöglichen es Anlegern, höhere Bewertungen für Aktien zu akzeptieren. Denn wenn die Zinsen steigen, sind Investoren in der Regel bereit, weniger für jeden US-Dollar künftiger Unternehmensgewinne zu zahlen – ein Effekt, der als Kompression des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) bekannt ist. Umgekehrt stützen fallende Zinsen die Bewertungen und damit die Aktienkurse.
Ölpreise weniger gefährlich als früher
Cramer räumte zwar ein, dass höhere Ölpreise zur Inflation beitragen können. Er argumentierte jedoch, dass ihre gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen heute weniger gravierend seien als bei früheren Energieschocks. Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle: Erstens sind moderne Fahrzeuge deutlich kraftstoffeffizienter als frühere Generationen. Zweitens ist die US-Wirtschaft stark auf Erdgas angewiesen, das im Inland erheblich günstiger ist als auf dem Weltmarkt – ein struktureller Vorteil, der die Inflationswirkung steigender Ölpreise abfedert.
Diese Einschätzung hat auch Konsequenzen für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Cramer zufolge könnten die Fed-Notenbanker die aktuell erhöhten Inflationsdaten – die teilweise auf Zölle und Energiekosten zurückzuführen sind – als vorübergehend einstufen. Das würde den Spielraum für künftige Zinssenkungen erhalten, was wiederum positiv für Aktien wäre.
Marktreaktion am Montag bestätigt Cramers These
Die Handelsdynamik am Montag untermauerte Cramers Analyse eindrücklich. Während Energiewerte hinter dem Gesamtmarkt zurückblieben, gehörten gebeutelte Software-Aktien wie Salesforce und <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft zu den stärksten Performern des Tages. Der Markt blickte also über die geopolitischen Schlagzeilen hinaus und konzentrierte sich auf fundamentale Bewertungstreiber.
Für Anleger lautet Cramers zentrale Botschaft: Wer langfristig erfolgreich investieren will, sollte sich nicht von jeder geopolitischen Meldung aus der Ruhe bringen lassen. Zinssätze und deren Auswirkungen auf Aktienbewertungen bleiben der primäre Treiber für die Kursentwicklung – und solange die Renditen moderat bleiben, dürfte der Markt seine Widerstandsfähigkeit behalten.
