Jim Cramer: Intel-Aktie nach 228% Anstieg weiterhin ein Kauf
CNBC-Moderator Jim Cramer sieht bei Intel trotz einer Verdreifachung des Kurses weiteres Aufwärtspotenzial durch KI-Nachfrage.

Jim Cramer, bekannter Moderator der CNBC-Sendung „Mad Money", hat Intel am Mittwoch als seine „neue Lieblingsaktie" bezeichnet – obwohl der Kurs des Halbleitergiganten seit Jahresbeginn bereits um 228% gestiegen ist. Die Aktie wird derzeit bei rund 121 US-Dollar gehandelt, nachdem sie im August 2025 noch im niedrigen 20-Dollar-Bereich notierte. Cramer bezeichnete Intel beim monatlichen Treffen des CNBC Investing Club für Juni als klaren Kauf.
Cramers Charitable Trust, das vom CNBC Investing Club genutzte Portfolio, eröffnete am 3. Juni eine Position in Intel. Seitdem wurde die Beteiligung bereits zweimal aufgestockt. Damit setzt Cramer mit echtem Kapital auf seine eigene Empfehlung – ein Signal, das viele Anleger als besonders glaubwürdig werten.
Kehrtwende unter neuem CEO Lip-Bu Tan
Die bemerkenswerte Kurserholung bei Intel fällt in die Amtszeit von CEO Lip-Bu Tan. Zwei Ereignisse beschleunigten den Aufstieg der Aktie besonders: Zunächst gab die US-Regierung eine Beteiligung von 10% an Intel bekannt. Kurz darauf investierte Branchenrivale Nvidia 5 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen – ein klares Vertrauenssignal aus der Halbleiterbranche.
Cramer räumte ein, dass ein Kursanstieg dieser Größenordnung ihn normalerweise zur Zurückhaltung veranlassen würde. Bei Intel macht er jedoch eine Ausnahme. „Ich möchte die Disziplin nicht aufgeben, eine Aktie nicht anzufassen, die so extrem gestiegen ist, aber wenn es um Tech-Hardware geht, die mit dem Rechenzentrum verbunden ist, hat man meiner Meinung nach keine Wahl", sagte er. Sein Fazit: „Bei Intel lautet die Antwort meiner Meinung nach: nach oben."
KI-Revolution als Treiber für CPU-Nachfrage
Der Kern von Cramers Optimismus liegt in der wachsenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für Intels Kerngeschäft. Er argumentiert, dass der Aufstieg von Inferenz-KI und sogenannter agentischer KI – also KI-Systemen, die Aufgaben mit wenig bis gar keinem menschlichen Eingreifen erledigen – die Nachfrage nach Zentraleinheiten (CPUs) drastisch erhöhen könnte. CPUs sind traditionell Intels wichtigstes Produkt.
„Es findet eine Revolution statt, und diese Revolution erfordert so viele CPUs wie möglich", sagte Cramer. Er geht davon aus, dass CPUs einen massiven Engpass erleben könnten, der den Chipherstellern erhebliche Preismacht verleiht und die Gewinne ankurbelt. Für Intel als führenden CPU-Hersteller wäre das ein enormer struktureller Rückenwind.
Intels Foundry-Geschäft als zweiter Wachstumstreiber
Neben dem CPU-Geschäft verwies Cramer auch auf Intels aufstrebendes Foundry-Geschäft. Als Auftragsfertiger produziert Intel Chips für Drittkunden – ein Bereich, der bislang von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) dominiert wird. Angesichts der sprunghaft steigenden KI-Ausgaben und der Tatsache, dass TSMC nahe an seiner Kapazitätsgrenze arbeitet, erwartet Cramer, dass mehr Chip-Designer nach alternativen Anbietern suchen werden.
Besonders attraktiv macht Intel dabei die Fertigung in den USA. In Zeiten geopolitischer Spannungen und wachsender Bedenken über Lieferketten gewinnt eine heimische Chipproduktion für amerikanische Unternehmen zunehmend an strategischer Bedeutung. Intel könnte davon als einer der wenigen US-Auftragsfertiger direkt profitieren.
Für deutsche Privatanleger ist die Intel-Geschichte ein anschauliches Beispiel dafür, wie strukturelle Megatrends wie KI-Infrastruktur selbst etablierte Unternehmen mit jahrelanger Underperformance neu bewerten können. Cramer fasste seine Haltung klar zusammen: „Sie können es sich nicht leisten, sich darum zu kümmern, wo diese Aktien standen. Sie sollten sich nur darum kümmern, wohin sie sich entwickeln."
