Japans Zinswende steht auf wackligen Beinen
Politische Unsicherheit und Yen-Schwäche erschweren geldpolitische Entscheidungen

Japans Zentralbank, die Bank of Japan (BoJ), entschied sich erneut, den Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent zu belassen. Diese Entscheidung sorgt jedoch weniger für Aufmerksamkeit als die Frage, wie konsequent die BoJ ihre Zinswende weiterverfolgen wird. Erschwert wird die geldpolitische Lage durch eine politische Unsicherheit im Land, da die Regierungskoalition von Premierminister Shigeru Ishiba ihre Mehrheit verloren hat. Diese Entwicklung könnte die zukünftige Geldpolitik maßgeblich beeinflussen, da es unklar ist, welche neue Regierung das Land führen und welche wirtschaftlichen Prioritäten sie setzen wird.
Anleger und Finanzexperten sind sich einig, dass die Zentralbank möglicherweise gezwungen sein wird, die geplante Zinserhöhung hinauszuzögern. BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda äußerte sich zur Spekulation um den Zeitpunkt der nächsten Zinsanhebung zurückhaltend und betonte, er gehe ohne Vorurteile an die Frage heran. Dennoch ist die BoJ um die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Devisen- und Aktienmärkte besorgt. Die ökonomischen Ziele der Notenbank und die instabile politische Lage stehen derzeit im Konflikt, wie der Volkswirt Stefan Angrick von Moody's Analytics feststellt.
Die BoJ hält trotz konjunktureller Schwäche an ihrem Kurs fest und geht davon aus, dass Japans Wirtschaft weiterhin über ihrem Potenzial wächst. Die Inflationsrate soll demnach auch nicht unter das Ziel von zwei Prozent fallen, was die Möglichkeit einer baldigen Zinserhöhung trotz IWF-Prognosen stützt. Dennoch könnte die aktuelle Yen-Schwäche den Aufwertungsdruck auf den Aktienmarkt erhöhen. Ein schwacher Yen steigert die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Exporteure, was den Aktienkursen Rückenwind gibt. Anleger befürchten jedoch, dass die BoJ, um die Währungsstabilität zu gewährleisten, ihre Zinspläne anpassen könnte.
Der Yen-Kurs ist zudem von internationalen politischen Faktoren beeinflusst. Einige Analysten sehen eine mögliche Rückkehr Donald Trumps zur Macht in den USA als einen Einflussfaktor, der den Druck auf die japanische Währung erhöhen könnte. Ebenso könnte die Wahl eines linksgerichteten Premierministers zu einer restriktiveren Finanz- und Geldpolitik führen, was die Zinsen schneller steigen lassen würde. Die wahrscheinlicheren Szenarien sehen jedoch eine Kooperation der Liberaldemokratischen Partei (LDP) mit zentristischen oder rechten Parteien vor, was widersprüchliche Signale für den Yen und die Geldpolitik erzeugen könnte.
Sollte die BoJ die Auswirkungen der Yen-Schwäche auf die Inflationsprognosen neu bewerten, könnte dies eine raschere geldpolitische Reaktion auslösen. Investmentbanker Gregor Hirt äußerte, dass eine weitere Yen-Abwertung die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung verstärken würde.
