Janus Henderson hält CoreWeave-Anleihen: Fondsmanager Lloyd trotzt dem Ausverkauf
John Lloyd von Janus Henderson hält 9,75 Prozent der 2031 fälligen CoreWeave-Anleihen und sieht den Ausverkauf als Überreaktion.

Die Anleihen des KI-Infrastrukturanbieters CoreWeave bleiben unter Druck – doch ein prominenter Fondsmanager hält an seinem Engagement fest. Die im Jahr 2031 fälligen Papiere werfen derzeit eine Rendite von 15,97 Prozent ab, wie John Lloyd, Global Head of Multi-Sector and Corporate Credit bei Janus Henderson, gegenüber CNBC erläuterte. Der Multi-Sector Income Fund seines Hauses hält 9,75 Prozent dieser Anleihen.
Lloyd hält den jüngsten Ausverkauf für übertrieben. „Es ist ein bisschen eine Überreaktion“, sagte er mit Blick auf den Verkauf von CoreWeave-Anleihen, die zusammen mit dem Aktienkurs eingebrochen waren. Der Fondsmanager sieht derzeit keine fundamentalen Veränderungen im Ökosystem, die die Kursverluste rechtfertigen würden – abgesehen von den höheren Finanzierungskosten des Unternehmens.
Für Lloyd zählt CoreWeave „zu den besten in seiner Klasse“, wenn es darum geht, Rechenzentren schnell in Betrieb zu nehmen und tatsächlich zu betreiben. Das Unternehmen könne die Skepsis des Marktes gegenüber seiner Verschuldung überwinden. Diese Einschätzung ist allerdings nicht die allgemeine Marktmeinung: Einige Schuldtitel von CoreWeave gelten weiterhin als stark distressed, mit Renditen von über 15 Prozent.
Die Details
Die Rendite bis zur Fälligkeit der 2031er-Anleihen ist seit der Ausgabe im April um mehr als 70 Prozent gestiegen. Bondpreise und Renditen bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen: Sinkende Kurse bedeuten steigende Renditen. Lloyd fasst die Lage so zusammen: „Die Bondpreise sind niedriger, die Spreads sind breiter, die Renditen sind höher, und ich sehe derzeit keine großen fundamentalen Veränderungen im Ökosystem, die dies rechtfertigen würden, abgesehen von ihren höheren Finanzierungskosten, wofür ich glaube, dass sie kreative Lösungen finden können.“
Der Druck auf den Kreditmärkten ist messbar. Der Spread für fünfjährige Credit Default Swaps liegt bei fast 1.081 Basispunkten – niedriger als noch zu Beginn der Sitzung, aber um 13 Prozent Wochenüber-Wochen gestiegen. Spreads von 1.000 Basispunkten und darüber gelten allgemein als Zeichen für Kreditprobleme. Der Aktienkurs von CoreWeave war in der vergangenen Woche um 20 Prozent gefallen; am Dienstag stieg die Aktie um rund 2 Prozent, nachdem sie zuvor in der Sitzung einen 52-Wochen-Tiefststand erreicht hatte.
Hinter dem Druck steht eine massive Schuldenlast. CoreWeave hat insgesamt rund 51,6 Milliarden US-Dollar an Schulden aufgenommen, darunter etwa 35 Milliarden US-Dollar in Form von Notizen, Anleihen und Krediten. Der Markt sorgt sich, wie das Unternehmen seine Rechenzentren weiter finanzieren soll – und zu welchen Kosten. Die Debt-to-Equity-Quote liegt bei 702 Prozent und ist damit gegenüber 290 Prozent vor einem Jahr deutlich gestiegen.
Auch die Investitionsplanung ist ambitioniert. Nach Konsensschätzungen wird CoreWeave in diesem Jahr rund 36,4 Milliarden US-Dollar an Investitionsausgaben (Capex) tätigen – bei einem EBITDA von 7,5 Milliarden US-Dollar. Für das kommende Jahr erwarten Analysten einen Umsatz von 26,5 Milliarden US-Dollar und ein EBITDA von 16,7 Milliarden US-Dollar. Die Capex sollen dann 47,9 Milliarden US-Dollar betragen, was darauf hindeutet, dass das Unternehmen den Ausbau seiner Rechenzentren möglicherweise durch weitere Eigenkapitalemissionen und/oder zusätzliche Schulden finanzieren muss.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Diskussion ist Teil einer mehrmonatigen Entwicklung. Bereits am 08.05.2026 berichtete aktien.news, dass CoreWeave das untere Ende seiner Investitionsausgaben-Prognose für 2026 von 30 Milliarden auf 31 Milliarden US-Dollar angehoben hatte, während die Obergrenze unverändert bei 35 Milliarden US-Dollar blieb. Als Begründung nannte das Cloud-Infrastrukturunternehmen steigende Komponentenpreise; die Aktie fiel im nachbörslichen Handel um mehr als 9 Prozent. CEO Michael Intrator zeigte sich damals gelassen und verwies auf eine „fantastische Hochlaufphase“.
Bereits am 27.01.2026 hatte eine 2 Milliarden US-Dollar schwere Eigenkapitalinvestition des Chipherstellers Nvidia die CoreWeave-Anleihen gestützt. Die Papiere mit Fälligkeiten 2030 und 2031 entwickelten sich damals zu den meistgehandelten US-Unternehmensanleihen des Tages. Die 9,25-Prozent-Anleihe mit Fälligkeit 2030 stieg von 95 Cent in der Vorwoche auf etwa 98 Cent pro Dollar.
Im Oktober 2026 verschärfte sich die Lage dann deutlich. Am 14.10.2026 berichtete aktien.news, dass die CoreWeave-Aktie um 13 Prozent einbrach, nachdem Elon Musk einen Warnhinweis zu steigenden Unternehmensanleiherenditen mit dem einzelnen Wort „Yikes“ kommentiert hatte. Auslöser war ein Beitrag des Venture-Capital-Gebers Chamath Palihapitiya, der ein Diagramm geteilt hatte, wonach die Rendite auf unbesicherte CoreWeave-Anleihen in Höhe von 1,25 Milliarden US-Dollar mit Fälligkeit im Jahr 2032 am Dienstag nahezu 15 Prozent erreichte.
Einen Tag später, am 15.10.2026, setzten die Anleihen ihren Abwärtstrend fort. Die im Jahr 2032 fälligen Papiere mit einer Rendite von 9,625 Prozent wurden laut Daten des Handelsplatzes MarketAxess zuletzt zu 76,5 Cent auf den Dollar gehandelt – ein Rückgang gegenüber 77,875 Cent am Mittwochabend und rund 83 Cent am Freitag. Die Rendite lag nun bei rund 16 Prozent und damit mehr als elf Prozentpunkte über der vergleichbaren Rendite US-amerikanischer Staatsanleihen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger illustriert der Fall CoreWeave, wie eng Aktien- und Kreditmärkte im KI-Segment inzwischen verknüpft sind. Steigende US-Staatsanleiherenditen erhöhen die Finanzierungskosten für Unternehmen, die wie CoreWeave stark auf den Kapitalmarktzugang angewiesen sind. Lloyd zufolge hat sich der Fokus der Anleger „weitgehend auf Unternehmen wie CoreWeave verlagert, die Refinanzierungsrisiken tragen, wenn die Zinsen steigen“.
Lloyd verweist dabei auf mehrere Hebel, die das Unternehmen nutzen könnte: weitere GPU-Finanzierungen, bei denen gegen Grafikprozessoren oder Mietverträge geliehen wird, sowie höhere Vorauszahlungen der größten Kunden – darunter Microsoft, Meta Platforms und OpenAI. „Sie können wahrscheinlich so kreativ sein, dass sie sogar nicht auf den High-Yield-Markt zurückgreifen müssen“, sagte er. Zudem habe CoreWeave keine kurzfristigen Fälligkeiten, was bedeute, dass es vorerst keinem Refinanzierungsrisiko ausgesetzt sei.
Lloyd sagte, er sei nicht unbedingt besorgt über die Fähigkeit von CoreWeave, seine Investitionsausgaben zu finanzieren, obwohl die Capex den freien Cashflow übersteigen. „Nächstes Jahr … werden sie operativen freien Cashflow generieren, der einen Teil dieses Capex-Bedarfs decken wird“, so der Fondsmanager.
Ausblick
Für Entspannung könnte laut Lloyd der geplante Börsengang (IPO) von Anthropic sorgen, der wie erwartet im November ansteht, gefolgt von OpenAI. Erfolgreiche IPOs der Frontier Labs könnten die Nerven des Marktes beruhigen und die Neocloud-Betreiber unterstützen. „Man braucht einfach mehr solcher Datenpunkte, bei denen die Menschen sich mit der Nachfrageseite der KI wohler fühlen“, sagte er.
Unterstützend wirkt aus seiner Sicht die angespannte Angebots-Nachfrage-Dynamik in der gesamten AI-Compute-Landschaft. Die allgemeinen Adoptionsraten lägen über den konsensbasierten Nachfragekurven, hinzu komme ein Engpass in der Versorgung, da Chips und Speicherleistung ausverkauft seien. „Alle Datenpunkte deuten darauf hin, dass das Geschäftsmodell sehr, sehr gut funktioniert“, sagte Lloyd und betonte, dass sich die Finanzkennzahlen von CoreWeave im Laufe des Jahres verbessert hätten.
CoreWeave muss den Märkten jedoch weiterhin beweisen, dass es mit höheren Marktzinsen umgehen und die Finanzierungsengpässe bewältigen kann. Lloyd ist der Ansicht, dass das Unternehmen dies schaffen wird – allerdings mit einigen Hindernissen auf dem Weg. Die Anleihen sollten sich erholen, sagt er, „nur nicht auf einer geraden Linie“.
Kurz erklärt
- Credit Default Swap: ein Finanzkontrakt, mit dem sich Anleger gegen den Ausfall eines Schuldners absichern, ähnlich einer Kreditausfallversicherung.
- Basispunkt: eine Maßeinheit für Zinssätze, die ein Hundertstel eines Prozentpunkts beschreibt.
- Debt-to-Equity-Quote: eine Kennzahl, die die Verschuldung eines Unternehmens ins Verhältnis zum Eigenkapital setzt.
- Capex: die Investitionsausgaben eines Unternehmens für langlebige Vermögenswerte wie Anlagen und Rechenzentren.
