Jamie Dimon kritisiert Trumps Einwanderungspolitik öffentlich
JPMorgan-CEO Jamie Dimon übte beim Weltwirtschaftsforum in Davos seltene Kritik an Donald Trumps Einwanderungspolitik. Der einflussreiche Bankenchef lobte zwar die Grenzsicherung, äußerte aber Bedenken über die Vorgehensweise der US-Einwanderungsbehörde.

Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JPMorgan Chase, hat sich am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in Davos ungewöhnlich kritisch zur Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump geäußert. "Mir gefällt nicht, was ich sehe", sagte der einflussreiche Banker und stellte damit eine Ausnahme unter US-Unternehmensführern dar, die öffentliche Kritik an Trump weitgehend vermeiden.
Dimon zeigte sich zunächst positiv über Trumps Maßnahmen zur Grenzsicherung. Die illegalen Grenzübertritte an der Grenze zwischen den USA und Mexiko sanken im Zeitraum von Oktober 2024 bis September 2025 auf den niedrigsten Stand seit 50 Jahren, wie die BBC unter Berufung auf Bundesdaten berichtete. Dennoch äußerte der JPMorgan-Chef deutliche Bedenken über die Methoden der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE.
Kritik an ICE-Razzien
Der Bankenchef spielte offenbar auf Videos an, die ICE-Beamte bei der Festnahme mutmaßlich nicht dokumentierter Einwanderer zeigen. Dimon forderte mehr Transparenz: "Sind sie legal hier? Sind sie Kriminelle? Haben sie amerikanisches Recht gebrochen?", fragte er auf dem Podium in Davos. Es blieb unklar, ob er sich auf einen bestimmten Vorfall bezog oder allgemein über ICE-Einsätze sprach.
Verschärfte Einwanderungspolitik unter Trump
Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit hat Trump die US-Einwanderungspolitik grundlegend umgekrempelt. Der Fokus liegt auf Massenabschiebungen, verschärftem Asylzugang und erhöhten Ausgaben für ICE-Personal und -Einrichtungen. Besonders kontrovers: Die Regierung setzte Richtlinien außer Kraft, die festlegten, wo ICE-Verhaftungen stattfinden dürfen. Dies führte zu Razzien in Schulen, Krankenhäusern und Gotteshäusern.
Dimon fordert seit Jahren Einwanderungsreform
Der erfahrene JPMorgan-CEO setzt sich seit Langem für eine Einwanderungsreform ein, die das US-Wirtschaftswachstum steigern soll. In seinen jährlichen Aktionärsbriefen und Medieninterviews führt Dimon regelmäßig die Einwanderungsreform als einen der Hauptwege zu höherem Wirtschaftswachstum an. Seine öffentliche Kritik an Trump ist dennoch bemerkenswert.
CEOs scheuen öffentliche Kritik
Anders als während Trumps erster Amtszeit vermeiden amerikanische CEOs diesmal weitgehend öffentliche Kritik an seinen politischen Maßnahmen. Wall-Street-Analysten vermuten, dass Wirtschaftsführer Vergeltungsmaßnahmen der Trump-Administration fürchten. Die Regierung hat bereits Medienunternehmen, Universitäten und Anwaltskanzleien verklagt. Viele Unternehmenslenker ziehen es vor, den Präsidenten abseits der Öffentlichkeit anzusprechen.
Dimons Äußerungen in Davos stellen damit eine seltene Ausnahme dar und zeigen, dass selbst in einem von Vorsicht geprägten Umfeld einige Wirtschaftsführer bereit sind, bei fundamentalen Fragen Position zu beziehen.
