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IWF warnt: EZB muss Zinsen weiter anheben, Europa braucht Reformen

Der IWF erwartet weitere EZB-Zinsschritte und fordert von europäischen Staaten Strukturreformen sowie Haushaltskonsolidierungen.

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IWF warnt: EZB muss Zinsen weiter anheben, Europa braucht Reformen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem aktuellen Bericht zur wirtschaftlichen Lage Europas vor weitreichenden Herausforderungen gewarnt. Während die Europäische Zentralbank (EZB) zur Inflationsbekämpfung voraussichtlich weitere Zinsschritte unternehmen muss, stehen die europäischen Staaten unter massivem Druck, ihre Staatsverschuldung durch Strukturreformen und Haushaltskonsolidierung zu stabilisieren. Der Fonds zeichnet damit ein Bild, das geldpolitische Straffung und fiskalische Disziplin zugleich verlangt.

Im Zentrum der geldpolitischen Einschätzung steht die Erwartung, dass die EZB im laufenden Jahr mindestens eine weitere Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte vornehmen wird. Dies sei notwendig, um die Kerninflation dauerhaft einzudämmen. Bereits im Juni und September hatte die EZB die Zinsen jeweils um 25 Basispunkte erhöht, um auf den durch den US-israelischen Konflikt mit dem Iran ausgelösten Anstieg der Energiepreise zu reagieren. Laut IWF-Analyse könnte über das Jahr 2026 hinaus eine weitere Straffung der Geldpolitik erforderlich sein, um das Inflationsziel bis 2028 zu erreichen.

Der Fonds mahnte zudem, dass fiskalische Unterstützungsmaßnahmen zur Abfederung hoher Energiekosten sorgfältig kalibriert werden müssen. Andernfalls könnten sie die Bemühungen zur Inflationssenkung untergraben. Für Anleger bedeutet diese Gemengelage, dass die Zinswende in der Eurozone noch nicht abgeschlossen ist und die Geldpolitik auf absehbare Zeit restriktiv bleiben dürfte.

Schuldenlast erfordert entschlossenes Handeln

Parallel zur Geldpolitik betonte der IWF die Notwendigkeit einer soliden Fiskalpolitik. Ohne politische Gegenmaßnahmen könnte die Staatsverschuldung in vielen europäischen Volkswirtschaften langfristig auf das Doppelte des aktuellen Niveaus ansteigen. Mateusz Szczurek, Leiter der Europa-Abteilung des IWF, warnte, dass ein Abwarten die notwendigen Anpassungen nur erschwere. Um die Schulden tragfähig zu halten, müssten etwa drei Viertel der europäischen Länder eine Kombination aus Strukturreformen zur Wachstumsförderung und Haushaltskonsolidierungen von durchschnittlich 3,5 Prozent des BIP umsetzen.

Die geplanten mittelfristigen EU-Pläne sehen bisher lediglich Konsolidierungen von etwa 2 Prozent des BIP vor, was laut IWF in vielen Fällen nicht ausreichen wird. Etwa ein Viertel der europäischen Staaten müsste sogar Einsparungen von mehr als 5 Prozent des BIP vornehmen. Da dies politisch kaum umsetzbar erscheint, forderte der IWF ein Umdenken bei den Staatsausgaben und eine stärkere Einbindung des Privatsektors.

Wachstum bleibt verhalten, Produktivität ist der Engpass

Für die Eurozone prognostiziert der IWF ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent im Jahr 2026 und 1,2 Prozent im Jahr 2027. Die Inflationsrate wird für das laufende Jahr auf 3,1 Prozent geschätzt, mit einem Rückgang auf 2,8 Prozent im nächsten Jahr und 2,2 Prozent im Jahr 2028. Damit bleibt die Teuerung zunächst deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent, was die Erwartung weiterer Zinsschritte stützt.

Das größte Hindernis für ein höheres Wachstum bleibt die schwache Produktivität. Der IWF drängt daher auf den Abbau nationaler Barrieren innerhalb des EU-Binnenmarktes, Investitionen in Innovationen sowie eine konsequente Diversifizierung der Lieferketten und den Ausbau erneuerbarer Energien. Für deutsche Anleger sind diese Empfehlungen besonders relevant, da die exportorientierte Bundesrepublik stark von einem funktionierenden Binnenmarkt und stabilen Lieferketten abhängt.

Die Botschaft des IWF ist damit zweigeteilt: Kurzfristig dürfte die EZB den Kurs der geldpolitischen Straffung fortsetzen, während mittelfristig die europäischen Regierungen gefordert sind, ihre Haushalte zu konsolidieren und die Wachstumskräfte zu stärken. Beide Baustellen zusammen bestimmen maßgeblich, wie sich Zinsen, Inflation und Konjunktur in der Eurozone in den kommenden Jahren entwickeln werden.

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