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IWF und Venezuela beraten Erdbebenhilfe über Sonderziehungsrechte

Nach verheerenden Erdbeben mit über 3.800 Toten soll Venezuelas IWF-Reservefonds von 350 Millionen Dollar schnell mobilisiert werden.

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IWF und Venezuela beraten Erdbebenhilfe über Sonderziehungsrechte

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bestätigt, dass IWF-Chefin Kristalina Georgieva mit Venezuelas amtierender Präsidentin Delcy Rodriguez über die Nutzung von Reservemitteln zur Erdbebenhilfe gesprochen hat. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die eingezahlte Reserve-Tranche Venezuelas beim IWF in Höhe von rund 350 Millionen US-Dollar aus den sogenannten Sonderziehungsrechten (SZR). Diese Mittel sollen helfen, den dringenden humanitären Bedarf nach zwei schweren Erdbeben zu decken.

Die Beben vom 24. Juni haben in Venezuela verheerende Schäden hinterlassen. Mehr als 3.800 Menschen kamen ums Leben, fast 17.000 wurden verletzt und nahezu 18.000 Venezolaner verloren ihr Zuhause. IWF-Sprecherin Julie Kozack erläuterte, dass Georgieva und Rodriguez sowohl die wirtschaftlichen Folgen als auch den humanitären Bedarf infolge der Katastrophe erörterten.

Was sind Sonderziehungsrechte?

Sonderziehungsrechte (SZR) sind Reserveguthaben des IWF, die Mitgliedsländer entsprechend ihrer Kapitalbeteiligung beim Fonds halten. Sie sind durch einen Korb führender Weltwährungen gedeckt – darunter US-Dollar, Euro, japanischer Yen, britisches Pfund Sterling und chinesischer Yuan. Die SZR können in diese Währungen umgetauscht und damit direkt eingesetzt werden.

Kozack betonte dabei eine wichtige Unterscheidung: Die Gespräche konzentrierten sich auf Venezuelas SZR-Reservefonds, der zum 8. Juli rund 350 Millionen Dollar umfasste – und nicht auf die deutlich größere SZR-Zuteilung Venezuelas in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar. Der Reservefonds stelle „im Grunde den sofort verfügbaren Anspruch aus den eingezahlten Reserveguthaben beim IWF dar, was sich von den Sonderziehungsrechten unterscheidet, die Venezuela aus der SZR-Zuteilung hält", so die IWF-Sprecherin.

„Sie sprachen zudem über die Nutzung der Reserve-Tranche Venezuelas beim IWF, die eine wichtige und sofort verfügbare Liquiditätsquelle darstellt, welche schnell mobilisiert werden kann, um den dringenden humanitären Bedarf infolge der Katastrophe zu decken. Wir haben mit unseren Partnern zusammengearbeitet, um den Zugang zu Venezuelas eigenen Ressourcen beim Fonds zu erleichtern", erklärte Kozack.

Wiederaufbaufonds und internationale Unterstützung

Venezuelas amtierende Präsidentin Rodriguez hatte bereits vergangene Woche angekündigt, dass Venezuela gemeinsam mit dem IWF einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 200 Millionen Dollar einrichten werde. Die Mittel sollen an Bauunternehmen fließen, um zerstörte Häuser wiederaufzubauen. Rodriguez zufolge haben sowohl der IWF als auch die Weltbank Hilfe angeboten, um Venezuela bei den Wiederaufbaubemühungen zu unterstützen.

Der Hintergrund dieser Annäherung ist politischer Natur: Der IWF hat den Dialog mit Venezuela wieder aufgenommen, seit die USA den ehemaligen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar entmachteten. Dennoch ist der südamerikanische Erdölproduzent noch weit davon entfernt, sich für ein reguläres IWF-Kreditprogramm zu qualifizieren. Dafür müsste zunächst eine komplexe Umstrukturierung von Schulden in Höhe von rund 200 Milliarden Dollar erfolgen – ein langwieriger und politisch heikler Prozess.

Die aktuelle Nutzung der eigenen IWF-Reserven Venezuelas ist daher kein klassisches Hilfsprogramm, sondern der Zugriff des Landes auf seine eigenen, beim Fonds hinterlegten Mittel. Für deutsche Anleger und Beobachter verdeutlicht der Fall, wie internationale Finanzinstitutionen in Krisensituationen als schnelle Liquiditätsquelle fungieren können – auch ohne formelles Kreditprogramm.

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