Ivanhoe Electric verhandelt über Kupferverkauf aus Santa-Cruz-Projekt in Arizona
Der Bergbaukonzern führt fortgeschrittene Gespräche über Abnahmeverträge für Kupfer aus seinem 1,4-Milliarden-Dollar-Projekt Santa Cruz in Arizona.

Ivanhoe Electric (NYSE-A, TSX: IE) führt fortgeschrittene Verhandlungen über den Verkauf von Kupfer aus seinem Santa-Cruz-Projekt im US-Bundesstaat Arizona. Das Vorhaben hat ein Volumen von 1,4 Milliarden US-Dollar. Hintergrund ist die stark steigende Nachfrage nach dem Metall, die durch den Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz und die Stromnetze befeuert wird. Der Wettbewerb um inländische US-Lieferungen verschärft sich dadurch spürbar.
Das Unternehmen habe Interesse von traditionellen Rohstoffhändlern und strategischen Partnern geweckt, die auf der Suche nach inländischen Kupferlieferungen seien, sagte CEO Taylor Melvin gegenüber Bloomberg News. Die Namen der potenziellen Käufer nannte er nicht. Er erklärte jedoch, dass sogenannte Offtake-Vereinbarungen – also langfristige Abnahmeverträge – Finanzierungen zur Unterstützung der Minenentwicklung beinhalten könnten.
"Wir brauchen weit mehr als nur Santa Cruz, um diese Lücke zu schließen", sagte Melvin mit Blick auf die wachsende Kluft zwischen der US-Kupfernachfrage und der inländischen Produktion. Die Verhandlungen laufen vor dem Hintergrund, dass die Kupferpreise nahe ihren Rekordhochs notieren. Große Technologieunternehmen versuchen derzeit, sich Lieferungen für Rechenzentren und Stromnetze zu sichern.
Die Details
Das globale Nachfragewachstum wird nach Einschätzung aus dem Umfeld des Projekts das Produktionswachstum übertreffen. Das erhöht den Druck auf die USA, neue Minen zu erschließen und die Abhängigkeit von importierten Metallen zu verringern. Santa Cruz könnte eine der ersten großen neuen Kupferminen in den Vereinigten Staaten seit fast zwei Jahrzehnten werden.
Eine vorläufige Machbarkeitsstudie aus dem vergangenen Jahr schätzte die anfänglichen Entwicklungskosten auf 1,24 Milliarden US-Dollar. Der aktuellere Wert für die erste Phase des Projekts liegt bei 1,4 Milliarden US-Dollar. Die erste Produktion ist für das Jahr 2029 geplant.
US-Präsident Donald Trump unterstützte die Finanzierung von Santa Cruz öffentlich. Bei einer Bergbau-Rundtischdiskussion am 7. August im Außenministerium hob er die Bedeutung des Projekts für die Bemühungen zur Ausweitung der inländischen Mineralproduktion hervor. Noch im selben Monat erhielt Ivanhoe Electric einen Preliminary Project Letter (PPL) von der Export-Import Bank of the United States (US EXIM). Dieser skizziert bis zu 1,1 Milliarden US-Dollar an möglicher Schuldenfinanzierung. Der Brief stellt einen vorbereitenden Schritt dar und keine endgültige Kreditverpflichtung.
Laut Melvin diskutiert das Unternehmen zudem mit etwa einem Dutzend kommerzieller Banken über Projektfinanzierungen. Die Finanzierungsgespräche unterstreichen den hohen Kapitalbedarf für US-Kupferentwickler, die neue Produktionen ans Netz bringen wollen. Potenzielle Liefervereinbarungen könnten eine zusätzliche Finanzierungsquelle darstellen. Verbindliche Deals hat Ivanhoe bislang nicht bekannt gegeben.
Santa Cruz plant den Einsatz einer vor Ort stattfindenden Verarbeitungsmethode, die Kupferkathoden produziert. Das ist eine raffinierte Form des Metalls, die sich zu Kabeln, Leitungen und Folien weiterverarbeiten lässt. Ivanhoe bewirbt diesen Ansatz als Teil seiner Strategie, ein emissionsärmeres Betriebsmodell zu entwickeln. Die Technologie könnte für Käufer attraktiv sein, die direkten Zugang zu fertigen Kupferprodukten suchen und gleichzeitig den Bedarf an herkömmlichen Verarbeitungsanlagen reduzieren möchten.
Große Technologieunternehmen erforschen bereits alternative Produktionsmethoden, um künftige Lieferungen zu sichern. Anfang dieses Jahres einigte sich Amazon auf den Kauf von Kupfer aus der Mine von Gunnison Copper Corp. in Arizona. Dabei kommt eine proprietäre Laugungstechnologie zum Einsatz, die von Rio Tinto (ASX, LON: RIO) entwickelt wurde. Dieser Prozess vermeidet konventionelles Schmelzen und Raffinieren; das resultierende Kupfer ist für Amazons Rechenzentren bestimmt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass das Kupferprojekt Santa Cruz für die Aktionäre teurer wird. Eine neue Vorstudie, eine sogenannte Prefeasibility Study (PFS), zeigte, dass die Kapitalausstattung vor Produktionsbeginn auf 1,43 Milliarden US-Dollar beziehungsweise rund 2 Milliarden Kanadische Dollar gestiegen ist. Gleichzeitig verbesserten sich die Wirtschaftlichkeitskennzahlen des Projekts leicht. Die Börse reagierte dennoch negativ: Der Aktienkurs von Ivanhoe Electric fiel nach Bekanntwerden der Zahlen.
Am selben Tag meldete aktien.news weitere Details der aktualisierten Vorstudie. Die Investitionskosten vor Produktionsbeginn stiegen auf 1,43 Milliarden US-Dollar, nach 1,24 Milliarden US-Dollar vor einem Jahr – ein Plus von 15 Prozent. Der Nettobarwert (Net Present Value, NPV) des Projekts kletterte zugleich von 1,4 Milliarden auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Die interne Rendite (IRR) sank jedoch von 20 auf 19 Prozent, und die Amortisationszeit verlängerte sich gegenüber dem Vorwert von 4,4 Jahren.
Bereits am 14.09.2026 berichtete aktien.news über eine bemerkenswerte Dynamik im globalen Kupfersektor. Allein in diesem Quartal wurden Eigenkapital- und Schuldenfinanzierungen sowie kleinere Übernahmen im Wert von mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar angekündigt. Der Kupferpreis ist im laufenden Jahr um rund 14 Prozent gestiegen. Analysten gehen davon aus, dass dieser Trend noch deutlich an Fahrt gewinnen wird. Hintergrund ist ein zunehmender "Kampf um Kupferressourcen". Finanzierungsangebote der koreanischen und der US-Export-Import-Bank (EXIM) für Glencore beziehungsweise Ivanhoe Electric untermauern diesen Trend.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht in mehrfacher Hinsicht relevant. Ivanhoe Electric ist an der NYSE-A und der TSX notiert und damit für Anleger außerhalb der USA über entsprechende Handelsplätze erreichbar. Die Aktie hat zuletzt auf die gestiegenen Kapitalkosten mit Kursverlusten reagiert, wie aktien.news am 24.09.2026 berichtete. Das zeigt: Der Markt bewertet Fortschritte bei Santa Cruz nicht nur positiv, sondern achtet auch auf die Finanzierungslücke.
Die möglichen Abnahmeverträge sind deshalb ein zentraler Punkt. Sollten sie zustande kommen, könnten sie einen Teil der Finanzierung absichern und das Risiko für das Projekt verringern. Verbindliche Vereinbarungen gibt es bislang jedoch nicht. Anleger sollten daher die weitere Berichterstattung über konkrete Offtake-Deals und die Projektfinanzierung genau verfolgen.
Ein zweiter Aspekt betrifft den breiteren Kupfermarkt. Der Preis ist im laufenden Jahr um rund 14 Prozent gestiegen und notiert nahe Rekordhochs. Treiber sind die Nachfrage aus Rechenzentren, Stromnetzen und der KI-Infrastruktur. Gleichzeitig wächst das Angebot langsamer als die Nachfrage. Diese Schere zwischen Angebot und Nachfrage ist der eigentliche Grund für das wachsende Interesse an Projekten wie Santa Cruz.
Zu beachten ist auch die Konkurrenz um Kapital und Kunden. Amazon hat sich bereits Kupfer aus einer anderen Mine in Arizona gesichert. Große Technologiekonzerne treten damit zunehmend als direkte Abnehmer auf und verändern die Nachfragestruktur. Für Minenentwickler bedeutet das neue Chancen, aber auch den Druck, schnell lieferfähig zu werden.
Ausblick
Der Zeitplan für Santa Cruz sieht die erste Produktion im Jahr 2029 vor. Bis dahin muss Ivanhoe Electric Kunden und Finanzierungssicherheiten gewinnen, um das Projekt wie geplant voranzubringen. Melvin zufolge könnte das Projekt zusammen mit den nahegelegenen Ressourcen langfristig eine der führenden kupferproduzierenden Regionen des Landes etablieren.
Ob die laufenden Gespräche mit Rohstoffhändlern, strategischen Partnern und rund einem Dutzend kommerzieller Banken zu verbindlichen Vereinbarungen führen, ist offen. Der Preliminary Project Letter der US EXIM über bis zu 1,1 Milliarden US-Dollar ist ausdrücklich keine endgültige Kreditverpflichtung. Der globale Kupfermarkt bleibt angespannt: Die Nachfrage beschleunigt sich schneller, als neue inländische Minen in Produktion gehen können.
Kurz erklärt
- Offtake-Vereinbarung: Ein langfristiger Vertrag, in dem ein Abnehmer sich verpflichtet, künftige Produktionsmengen eines Rohstoffprojekts zu kaufen.
- Kupferkathode: Eine raffinierte Form des Kupfers, die sich zu Kabeln, Leitungen und Folien weiterverarbeiten lässt.
- Prefeasibility Study (PFS): Eine Vorstudie, die Machbarkeit, Kosten und Wirtschaftlichkeit eines Bergbauprojekts grob abschätzt.
- Preliminary Project Letter (PPL): Ein vorbereitendes Schreiben einer Bank, das eine mögliche Finanzierung skizziert, aber noch keine Kreditverpflichtung darstellt.
- Nettobarwert (NPV): Der auf den heutigen Zeitpunkt abgezinste Wert aller künftigen Zahlungsströme eines Projekts.
