Investcorp meidet Rechenzentren-Investments wegen Überbewertung
Die nahöstliche Alternative Investment-Gesellschaft Investcorp verzichtet bewusst auf große Investitionen in Rechenzentren. Der Grund: Zu viel Kapital hat die Renditen auf unattraktive Niveaus gedrückt.

Die größte Alternative Investment-Gesellschaft des Nahen Ostens mit einem verwalteten Vermögen von 60 Milliarden US-Dollar geht einen eigenen Weg. Während Investoren weltweit Milliarden in KI-Infrastruktur und Rechenzentren pumpen, hält sich Investcorp bewusst zurück.
Überlaufener Markt schreckt ab
"Ironischerweise investieren wir nicht wirklich groß und tief in Rechenzentren, hauptsächlich weil zu viel Kapital dorthin geflossen ist", erklärte Rishi Kapoor, Vizepräsident und CIO von Investcorp, am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Die Renditen seien auf Niveaus komprimiert worden, bei denen man woanders ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis erzielen könne.
Die Zurückhaltung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich erste Bedenken hinsichtlich himmelhoher Bewertungen im KI-Sektor breit machen. Experten warnen zunehmend vor einer möglichen KI-Blase, nachdem die Erwartungen an die transformative Technologie einen unstillbaren Kapitalbedarf geschaffen haben.
Fokus auf Dienstleistungen und stabile Märkte
Stattdessen setzt Investcorp auf andere Sektoren: professionelle und kommerzielle Dienstleistungen, Gesundheitsdienstleistungen, IT-Services sowie Transport. "Wir wählen quasi aus und setzen unsere Wetten in Bereichen, in denen wir eine klare, hohe Überzeugung und ein gewisses Maß an Abschirmung gegenüber Risiken sehen", so Kapoor.
Geografisch konzentriert sich das Unternehmen auf die USA, die Golfregion und Indien. Besonders der indische Markt, der 2024 weltweit die Nummer 2 bei primären Aktienemissionen war, biete attraktive Chancen. Kapoor bestätigte, dass Investcorp über mehrere Vermögenswerte verfüge, die potenziell noch 2025 an die Börse gebracht werden könnten.
IPO-Pipeline gefüllt
Die Dynamik bei Börsengängen werde wahrscheinlich anhalten, prognostiziert der Investcorp-Manager. IPOs hätten sich als "sehr gültiger, praktikabler Weg zur Monetarisierung für private Sponsoren" erwiesen. In allen drei Fokusregionen sehe man eine gesunde Pipeline und ein günstiges Umfeld für Neuemissionen.
