Insolvenzverfahren für vier Varta-Gesellschaften offiziell eröffnet
Das Amtsgericht Stuttgart hat die Verfahren eröffnet, rund 2.300 Beschäftigte sind betroffen.

Das Amtsgericht Stuttgart hat das Insolvenzverfahren über vier Gesellschaften des Batterieherstellers Varta eröffnet. Betroffen sind die VARTA AG, die VARTA Microbattery GmbH, die VARTA Storage GmbH und die VARTA Micro Production GmbH. Damit ist der Sanierungsprozess des schwäbischen Unternehmens mit Sitz in Ellwangen in eine neue, rechtlich verbindliche Phase getreten.
Bereits Mitte Juli hatte Varta einen Antrag auf Eigenverwaltung gestellt – auch für die Konzernmutter. Bei diesem Verfahren behält das Management die Kontrolle über den Sanierungsprozess und wird dabei von einem Sachwalter begleitet. Zum Insolvenzverwalter wurde Tobias Wahl bestellt, der die Kanzlei Anchor vertritt. Rund 2.300 Beschäftigte arbeiten bei den vier betroffenen Gesellschaften.
Investorenlösung im Fokus
Wahl rechnet in den kommenden Monaten mit einer Investorenlösung. Das Unternehmen selbst erwartet einen erfolgreichen Abschluss des Verkaufsprozesses. Wer am Ende zum Zug kommt, ist offen: Nach Angaben eines Sprechers kommen sowohl Finanzinvestoren als auch Industrieunternehmen infrage. Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen.
Der Insolvenzverwalter zeigt sich zuversichtlich, was das Interesse am Unternehmen angeht. "Das Interesse an den technologischen Kernkompetenzen von Varta ist im Markt unverändert vorhanden", sagte Wahl. Auch die Stabilisierung des laufenden Betriebs bewertet er positiv: "Dank des großen Einsatzes aller Beteiligten konnte der Geschäftsbetrieb während des vorläufigen Insolvenzverfahrens stabilisiert werden."
Diese Stabilisierung gilt laut Wahl als gute Ausgangsbasis für die weitere Sanierung. Lieferanten und Kunden vertrauten weiterhin auf die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Für Privatanleger ist das ein wichtiger Hinweis: Ein geordnetes Verfahren mit Eigenverwaltung und stabilisiertem Geschäftsbetrieb unterscheidet sich deutlich von einer unkontrollierten Zerschlagung.
Haushaltsbatterien bleiben außen vor
Ein zentraler Punkt für die künftige Struktur des Konzerns: Der Geschäftsbereich Haushaltsbatterien ist nicht vom Insolvenzverfahren betroffen. Dieser Bereich ist rechtlich und operativ eigenständig aufgestellt. Wichtige Geldgeber hatten zuvor darauf gedrängt, die Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauszulösen. Für Anleger bedeutet das, dass sich das Verfahren im Kern auf das Geschäft mit Batterien für technische Anwendungen konzentriert.
Deutlich schmerzhafter ist die Entwicklung im Bereich der Mikrobatterien. Der Produktionsaus bei der VARTA Microbattery wurde unumkehrbar beschlossen. Grund ist der Wegfall des bedeutendsten Kunden. Diese Entscheidung fiel bereits im Frühjahr. Betroffen ist die Fabrik in Nördlingen, deren Schließung wie geplant umgesetzt wird. Die Schließung des Standorts war Mitte Mai angekündigt worden. Rund 350 Arbeitsplätze entfallen dort.
Hintergrund ist der Verlust eines Großauftrags: Der Kunde Apple bezieht die wiederaufladbaren Knopfzellen für seine AirPods künftig aus China. Für Varta bedeutet das den Wegfall eines erheblichen Umsatzträgers im Mikrobatteriegeschäft.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger bleibt die Lage bei Varta von Unsicherheit geprägt. Der Ausgang des Verkaufsprozesses ist offen, und die endgültige Struktur des Unternehmens hängt maßgeblich davon ab, welcher Investor zum Zuge kommt. Klar ist: Der Haushaltsbatterie-Bereich steht außerhalb des Verfahrens, während das technologische Kerngeschäft saniert werden soll.
Die kommenden Monate dürften zeigen, ob sich das im Markt vorhandene Interesse in konkrete Angebote übersetzt. Bis dahin gilt für Anleger besondere Vorsicht: In Insolvenzverfahren können sich Risiken und Chancen schnell verschieben, und bestehende Anteilseigner tragen in der Regel ein erhöhtes Risiko. Wer investiert ist oder einsteigen möchte, sollte den weiteren Verlauf des Verfahrens und die angekündigte Investorenlösung aufmerksam verfolgen.
