Indonesiens Börsenchef tritt nach 84 Milliarden Dollar Kurssturz zurück
Iman Rachman übernimmt Verantwortung für Marktverluste nach MSCI-Herabstufungswarnung und mangelnder Transparenz.

Der Chef der indonesischen Börse (IDX), Iman Rachman, ist am Freitag von seinem Amt zurückgetreten. Die Entscheidung folgt auf einen dramatischen Kurseinbruch, bei dem der indonesische Aktienmarkt innerhalb von nur zwei Tagen 84 Milliarden US-Dollar an Marktwert verlor. Auslöser war eine Warnung des Indexanbieters MSCI vor einer möglichen Herabstufung des Landes.
In einer offiziellen Mitteilung erklärte die Börse, Rachman habe die Verantwortung für die "jüngsten Marktbedingungen" übernommen. Auf einer Pressekonferenz äußerte der scheidende CEO: "Ich hoffe, dies ist die beste Entscheidung für den Kapitalmarkt. Möge mein Rücktritt zu Verbesserungen an unserem Kapitalmarkt führen."
Der Jakarta Composite Index hatte am Mittwoch einen historischen Einbruch von 7,35 Prozent erlitten, gefolgt von einem weiteren Minus von 1,06 Prozent am Donnerstag. Am Freitag erholte sich der Markt leicht und legte 1,18 Prozent zu.
MSCI droht mit Abstufung zum Frontier Market
Die Krise wurde durch eine Warnung von MSCI am Dienstag ausgelöst. Der einflussreiche Indexanbieter erwägt, Indonesien vom Status eines Schwellenmarktes (Emerging Market) zum weniger bedeutenden "Frontier Market" herabzustufen. Hauptgrund sind Bedenken hinsichtlich der Handelstransparenz an der indonesischen Börse.
Eine solche Herabstufung hätte weitreichende Folgen für den indonesischen Kapitalmarkt. Viele internationale Investmentfonds, die ausschließlich in Schwellenländer investieren, müssten ihre indonesischen Positionen auflösen. Dies würde zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen und könnte zu weiteren Kursverlusten führen.
Behörden reagieren mit verschärften Transparenzregeln
Die indonesische Finanzaufsichtsbehörde kündigte am Donnerstag als Reaktion konkrete Maßnahmen an. Die Streubesitzanforderung für börsennotierte Unternehmen soll von derzeit 7,5 auf 15 Prozent verdoppelt werden. Diese Regelung zielt darauf ab, die Kritik von MSCI an mangelnder Transparenz bei Eigentümerstrukturen und Free-Float-Anteilen zu adressieren.
Einen Tag vor seinem Rücktritt hatte Rachman gegenüber CNBC erklärt, dass indonesische Aufsichtsbehörden bereits Gespräche mit MSCI führten. Diese konzentrierten sich insbesondere auf die Verbesserung der Datentransparenz bezüglich Streubesitz und Eigentümerstrukturen.
Die IDX selbst veröffentlichte am Mittwoch eine Stellungnahme, in der sie das Feedback von MSCI als "wertvollen Bestandteil" ihrer Bemühungen zur Steigerung der Glaubwürdigkeit des indonesischen Kapitalmarktes bezeichnete. Man sei "fest entschlossen, unser Bestes zu geben, um die Gewichtung indonesischer Aktien in den MSCI-Indizes zu erhöhen".
Experten sehen Chance zur Erneuerung
Pandu Sjahrir, Chief Investment Officer des indonesischen Staatsfonds Danatara, bewertet die Krise differenziert. Im Gespräch mit CNBC verglich er die Situation mit einem "guten Kaltwasserbad". Der Markt sei zwar in Panik geraten, doch normalerweise erhole man sich nach einem solchen Schock und fühle sich erfrischt.
Sjahrir verwies auf strukturelle Herausforderungen des indonesischen Marktes. Mit einer täglichen Liquidität von etwa einer Milliarde US-Dollar sei der Markt noch zu klein. Um international wettbewerbsfähig zu sein, benötige man eine Liquidität, die dem Acht- bis Zehnfachen dieses Betrags entspreche.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die angekündigten Reformen ausreichen, um MSCI von einer Herabstufung abzubringen. Für den indonesischen Kapitalmarkt und seine internationalen Investoren steht viel auf dem Spiel.
