Indonesiens Börsenaufsicht tritt nach massivem Kurseinbruch zurück
MSCI-Warnung vor möglicher Herabstufung löst Marktturbulenzen aus – Regierung kündigt Reformmaßnahmen an

Die Führungsspitze der indonesischen Finanzaufsicht hat nach einem dramatischen Kurssturz an der Börse Jakarta ihre Ämter niedergelegt. Mahendra Siregar, Vorsitzender der Finanzdienstleistungsbehörde (OJK), und Iman Rachman, Präsident der indonesischen Börse, traten am Freitag zurück. Der Leitindex des Landes war zuvor innerhalb von zwei Tagen um bis zu 16 Prozent eingebrochen.
Auslöser der Krise war eine Warnung des internationalen Indexanbieters MSCI, der "fundamentale Probleme bei der Investierbarkeit" des indonesischen Marktes feststellte. MSCI drohte mit einer Herabstufung Indonesiens vom Schwellenmarkt- zum Grenzmarktstatus, sollten bis Mai keine Lösungen für technische und strukturelle Probleme gefunden werden. Eine solche Herabstufung würde massive Kapitalabflüsse zur Folge haben.
Neben den beiden Spitzenfunktionären traten drei weitere hochrangige Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde zurück, darunter der Leiter der Kapitalmarktaufsicht. Die OJK erklärte, Siregars Rücktritt sei eine "Form der moralischen Verantwortung", um notwendige Sanierungsschritte zu ermöglichen. Rachman begründete seinen Schritt mit der "Rechenschaftspflicht für den Zustand des indonesischen Kapitalmarktes".
Regierung reagiert mit Reformpaket
Als Reaktion auf die Krise kündigte die Regierung umfassende Maßnahmen an. Die Investitionsgrenze für Pensionsfonds und Versicherer am Aktienmarkt soll von 8 Prozent auf 20 Prozent ihrer Vermögenswerte angehoben werden. Zudem wird die Streubesitzanforderung für börsennotierte Unternehmen auf 15 Prozent erhöht. Diese Schritte zielen darauf ab, die Liquidität zu verbessern und die Bedenken von MSCI auszuräumen.
Die Börse reagierte am Freitag mit einem Plus von 1,2 Prozent auf die Ankündigungen. Dennoch lag der Index seit Wochenbeginn 7 Prozent im Minus. Am Mittwoch war der Handel nach einem Minus von über 7 Prozent für 30 Minuten unterbrochen worden. Goldman Sachs verschärfte die Situation zusätzlich, indem die US-Investmentbank ihre Ratings für indonesische Aktien senkte und vor "erheblichen Verkäufen" warnte.
Strukturelle Probleme im Fokus
MSCI bemängelte in seiner Mitteilung vor allem Intransparenz bei den Beteiligungsstrukturen und "Bedenken hinsichtlich eines möglichen koordinierten Handelsverhaltens". Viele Investoren hätten sich kritisch über die Klassifizierung von Aktionären durch einen indonesischen Datenanbieter geäußert. Indonesien sieht sich seit langem Fragen zur konzentrierten Eigentümerstruktur ausgesetzt, insbesondere bei Konglomeraten unter Kontrolle von Milliardären.
Die Marktturbulenzen fallen in eine Zeit allgemeiner Unsicherheit über den Wirtschaftsausblick des Landes. Präsident Prabowo Subianto hat höhere Sozialausgaben versprochen, obwohl die Staatseinnahmen gesunken sind. Die indonesische Rupiah notiert nahe ihrer Allzeittiefs und schwächte sich am Freitag um weitere 0,4 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab.
Sorgen um Unabhängigkeit der Zentralbank
Zusätzliche Bedenken weckte Prabowos Nominierung seines Neffen zum stellvertretenden Gouverneur der Zentralbank, die diese Woche vom Parlament bestätigt wurde. Investoren befürchten einen Verlust der Unabhängigkeit der Notenbank. Die Kombination aus technischen Problemen, strukturellen Schwächen und politischen Unsicherheiten stellt die viertgrößte Volkswirtschaft Südostasiens vor erhebliche Herausforderungen im Kampf um internationales Anlegervertrauen.
