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Indischer Schiffszertifizierer streicht 235 Schiffe wegen Sanktionen

Das Indian Register of Shipping entzieht seit 2023 sanktionsbehafteten Öl- und Gastankern die Zertifizierung – mit weitreichenden Folgen.

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Indischer Schiffszertifizierer streicht 235 Schiffe wegen Sanktionen

Indiens führende Schiffszertifizierungsstelle, das Indian Register of Shipping (IRClass), hat seit 2023 insgesamt 235 Schiffe aus ihrem Register gestrichen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Öltanker sowie einige Gastanker, die in Verbindung mit der Umgehung internationaler Handelssanktionen stehen. Das gab Vorstandsvorsitzender Arun Sharma gegenüber Reuters bekannt.

Das in Mumbai ansässige IRClass zählt zu den weltweit führenden Schiffszertifizierern. Als gemeinnützige Organisation verfolgt es seit einigen Jahren einen deutlich strengeren Kurs gegenüber Schiffen, die an Sanktionsumgehungen beteiligt sind. Der Entzug der Zertifizierung hat für betroffene Schiffe erhebliche praktische Konsequenzen: Sie können Schwierigkeiten bekommen, Versicherungen abzuschließen, und riskieren potenziell den Zugang zu wichtigen Häfen.

„Seit etwa 2023 nehmen wir keine Schiffe mehr auf, gegen die Sanktionen vorliegen, seien es US-amerikanische, europäische oder britische Sanktionen", erklärte Sharma gegenüber Reuters. Er verwies dabei ausdrücklich auf die westlichen Sanktionen gegen Russland infolge der Invasion in der Ukraine sowie auf Sanktionen gegen den Iran aufgrund seines Atomprogramms und weiterer Aktivitäten.

Abkehr von früherer Praxis

Sharma räumte ein, dass das Register zuvor auch Schiffe umfasste, die westlichen Sanktionen unterlagen. Inzwischen operiere IRClass jedoch auf Basis einer umfassenden Sanktionsrichtlinie, die eine klare Linie gegenüber sanktionierten Fahrzeugen zieht. Dieser Kurswechsel markiert eine bedeutende Neuausrichtung der Organisation.

Das Vorgehen von IRClass steht in deutlichem Kontrast zur Haltung Chinas. Peking wies im vergangenen Monat Unternehmen an, US-Sanktionen gegen fünf chinesische Raffinerien im Zusammenhang mit Käufen von iranischem Öl nicht zu befolgen. Indien und China verfolgen damit in der Frage der Sanktionseinhaltung grundlegend unterschiedliche Ansätze.

Indiens Rolle als globaler Ölimporteur

Indien ist der weltweit drittgrößte Ölimporteur und -verbraucher – eine Position, die dem Land erhebliches geopolitisches Gewicht verleiht. Im vergangenen Monat lehnte Indien ein Angebot Russlands ab, Flüssigerdgas zu kaufen, das US-Sanktionen unterliegt. Dieser Schritt unterstreicht, dass Neu-Delhi zunehmend auf Konformität mit westlichen Sanktionsregimen setzt, auch wenn dies wirtschaftliche Einschränkungen bedeutet.

Die Entscheidungen von IRClass sind dabei nicht nur für die Schifffahrtsbranche relevant. Sie senden ein Signal an internationale Handelspartner und Versicherungsmärkte, dass Indien als drittgrößte Volkswirtschaft Asiens die Einhaltung westlicher Sanktionen ernst nimmt. Für deutsche und europäische Anleger, die in Schifffahrts- oder Energieunternehmen investiert sind, ist diese Entwicklung ein wichtiger Indikator für die sich verschiebenden geopolitischen Gewichte im globalen Rohstoffhandel.

Die sogenannte „Schattenflotte" – Schiffe, die Sanktionen umgehen, um russisches oder iranisches Öl zu transportieren – gerät damit auch von indischer Seite unter Druck. Zertifizierungsstellen wie IRClass spielen eine Schlüsselrolle dabei, den Zugang dieser Schiffe zu regulären Märkten, Versicherungen und Häfen einzuschränken.

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