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Chinas E-Commerce-Boom bremst: Iran-Krieg treibt Luftfrachtkosten hoch

Steigende Kerosinpreise und schwächere Konsumnachfrage im Westen belasten Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress massiv.

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Chinas E-Commerce-Boom bremst: Iran-Krieg treibt Luftfrachtkosten hoch

Chinas preisgünstiger E-Commerce-Export verliert an Schwung. Steigende Luftfrachtkosten infolge des Nahostkonflikts und eine nachlassende Kaufkraft einkommensschwächerer Verbraucher in den USA und Europa setzen großen Online-Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress erheblich zu. Das Geschäftsmodell, günstige Waren direkt aus chinesischen Fabriken in alle Welt zu fliegen, steht unter wachsendem Druck.

Konkrete Zahlen belegen den Einbruch: Chinas preiswerte E-Commerce-Exporte fielen im April um 10,9 Prozent auf 9,81 Milliarden US-Dollar. Laut einer Analyse chinesischer Zolldaten durch die in Luxemburg ansässige Beratungsfirma Trade and Transport Group war dies bereits der fünfte Rückgang in Folge im Jahresvergleich. Versandunternehmen wie DHL Express erheben inzwischen kräftige Treibstoffzuschläge, die die Margen der Händler direkt belasten.

Kostendruck trifft Händler und Verbraucher gleichermaßen

Wie stark der Druck auf einzelne Verkäufer ist, zeigt das Beispiel von Diana Qiao, einer in Shenzhen ansässigen Verkäuferin von Damenbekleidung auf Temu. Sie musste ihre Verkaufspreise um zwei US-Dollar erhöhen, nachdem ihre Versandkosten pro Kleidungsstück im Durchschnitt um einen Dollar gestiegen waren. „Die endgültige Last wird letztlich von den Verbrauchern getragen", sagte Qiao. Die Erhöhung sei notwendig gewesen, um ihre Gewinnmargen zu schützen. Ihre Verkäufe seien leicht zurückgegangen, eine Änderung der Versandmodalitäten sehe sie bisher jedoch nicht als notwendig an.

Frederic Horst, Geschäftsführer der Trade and Transport Group, erklärt die Dynamik hinter den Zahlen: Plattformen verlagern wahrscheinlich mehr Produkte in großen Mengen in Lagerhäuser, um sie lokal zu versenden, anstatt alles direkt aus China einzufliegen. „Das wäre angesichts der Luftfrachtkosten im Verhältnis zum Wert des Produkts sinnvoll", sagte er. „Wenn Sie ein Oberteil kaufen, das 300 bis 400 Gramm wiegt, erreichen Sie ein Stadium, in dem die Luftfracht 60 Prozent der Kosten ausmacht."

Shein hat auf diese Entwicklung bereits reagiert und seine Lagerkapazitäten in Europa ausgebaut. Im vergangenen Monat eröffnete das Unternehmen sein drittes Lager in Cannock, in der Nähe von Birmingham in Großbritannien. Ein Sprecher von Alibaba, dem Eigentümer von AliExpress, erklärte gegenüber Reuters, man konzentriere sich weiterhin darauf, „ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für die Verbraucher beizubehalten und ein stabiles Umfeld für Verkäufer und Verbraucher trotz der Volatilität der weltweiten Transportkosten zu schaffen". Shein und Temu reagierten nicht auf entsprechende Anfragen.

Hyperwachstum der Vergangenheit dürfte nicht zurückkehren

Analysten und Brancheninsider sehen in den sinkenden Exportwerten nicht nur ein Zeichen für den aktuellen Kostendruck. Sie deuten auch darauf hin, dass die Ära des Hyperwachstums für die großen Billig-Shopping-Plattformen vorbei sein könnte. Shein und Temu haben bereits erhebliche Marktanteile gewonnen, und steigende Benzinpreise belasten die Haushaltsbudgets in den USA und Europa zusätzlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Europäische Union ab dem 1. Juli eine Gebühr von drei Euro auf E-Commerce-Pakete mit geringem Wert erheben wird. Dies trifft das Kerngeschäftsmodell der chinesischen Plattformen direkt, das bislang von Zollbefreiungen für Kleinsendungen profitierte. US-Präsident Donald Trump hatte bereits im vergangenen Jahr Zölle eingeführt und entsprechende Zollbefreiungen für Pakete mit geringem Wert abgeschafft.

Ein in China ansässiger Speditionsmanager, der anonym bleiben wollte, fasste die Lage zusammen: „Die Luftfrachtkosten haben Auswirkungen, aber die Plattformen befinden sich auch in einer Phase langsameren Wachstums, und der Konsum im Ausland geht aufgrund der Inflation zurück." Judah Levine, Forschungsleiter der Frachtplattform Freightos, warnte zudem, dass die Luftfrachtraten aufgrund der Kerosinpreise wahrscheinlich hoch bleiben und es Zeit brauchen werde, bis sie sinken – selbst wenn der Iran-Konflikt enden sollte.

Martin Habisreitinger, Chief Operating Officer Airfreight bei Hellmann Worldwide Logistics, sieht mögliche Konsequenzen für die Branche: „Wenn die Kosten sehr hoch bleiben oder sogar weiter steigen, könnten Unternehmen auf andere Transportmittel umsteigen oder einen Teil ihrer Sendungen zurückhalten." Für deutsche Verbraucher, die günstige Mode und Elektronik über chinesische Plattformen bestellen, dürfte das mittelfristig höhere Preise bedeuten.

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