Indiens Zentralbank hält Leitzins stabil – Handelsdeal mit USA stützt
RBI belässt Repo-Satz bei 5,25 Prozent, während Zollsenkungen der USA neue Perspektiven eröffnen.

Die Reserve Bank of India (RBI) hat am Freitag ihre Geldpolitik unverändert gelassen und den Leitzins bei 5,25 Prozent bestätigt. Die Entscheidung erfolgte vor dem Hintergrund eines robusten Wirtschaftswachstums und deutlich reduzierter Handelsspannungen mit den Vereinigten Staaten. Der sechsköpfige geldpolitische Ausschuss stimmte einstimmig für die Beibehaltung des Repo-Satzes, wie eine Reuters-Umfrage bereits prognostiziert hatte.
Ein wegweisendes Handelsabkommen zwischen Washington und Neu-Delhi, das Anfang dieser Woche verkündet wurde, sorgt für Entspannung an den Märkten. Die USA senken ihre Zölle auf indische Importe drastisch von nahezu 50 Prozent auf 18 Prozent. Im Gegenzug verpflichtet sich Indien, russische Ölkäufe einzustellen und bestehende Handelshemmnisse abzubauen. Diese Vereinbarung entschärft einen der größten Belastungsfaktoren für Indiens Wirtschaft.
Aggressive Lockerungspolitik seit Februar
Seit Februar 2025 hat die RBI die Zinsen um insgesamt 125 Basispunkte gesenkt – die aggressivste Lockerungsphase seit 2019. Bei der letzten Sitzung im Dezember erfolgte eine Reduzierung um 25 Basispunkte. Die geldpolitische Haltung bleibt auf "neutral" eingestellt, was auf ein anhaltend niedriges Zinsniveau hindeutet.
RBI-Gouverneur Sanjay Malhotra betonte in seiner Erklärung, dass sich externe Gegenwinde zwar verstärkt hätten, der erfolgreiche Abschluss des Handelsabkommens mit den USA jedoch ein positives Signal für die Wirtschaft darstelle. Die Inflation bleibe unbedenklich und unter Kontrolle.
Starkes Wachstum trotz globaler Unsicherheiten
Indien behauptet seine Position als eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften weltweit. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein Wachstum von 7,4 Prozent erwartet. Der Wirtschaftsberater der Regierung prognostiziert für das kommende Jahr eine Expansion zwischen 6,8 und 7,2 Prozent. Gestützt wird diese Entwicklung durch eine robuste Binnennachfrage, umfangreiche öffentliche Infrastrukturausgaben und einen widerstandsfähigen Dienstleistungssektor.
Die Inflationsrate bewegt sich auf niedrigem Niveau und dürfte im laufenden Geschäftsjahr durchschnittlich nahe 2 Prozent liegen – deutlich unter dem Zielwert der Zentralbank von 4 Prozent. Im Dezember erreichte die Einzelhandelsinflation 1,33 Prozent, den höchsten Stand seit drei Monaten. Für deutsche Anleger mit Interesse an Schwellenländern bietet Indien damit weiterhin attraktive Wachstumsperspektiven bei kontrollierter Preisentwicklung.
