IAA 2025: Hersteller zeigen neue E-Modelle
Chinesische Marken erweitern Präsenz in Deutschland

Deutsche Autohersteller haben auf der IAA 2025 in München neue Elektrofahrzeuge und Technikplattformen vorgestellt, während chinesische Marken ihr Angebot und Vertriebsnetz in Deutschland ausbauen. Unternehmensvertreter und Politik kündigten Gespräche über mögliche Unterstützungsmaßnahmen an.
Mercedes berichtete von Tests auf der Pista di Nardò in Italien. Zwei Konzeptfahrzeuge mit neuen Elektromotoren und direktgekühlten Batterien absolvierten demnach bei bis zu 300 km/h insgesamt 40.075 Kilometer, sieben Tage lang jeweils 13 Stunden, und setzten 25 Langstreckenrekorde. Gezeigt wurde zudem ein AMG-Konzept mit 1.360 PS. Entwicklungschef Markus Schäfer sagte zur Leistungsdemonstration: „Was ein Sound, was ein Auto, mit original Schmutz aus Nardò.“
BMW, Mercedes und Volkswagen präsentierten jeweils neue Elektro-Generationen. Volkswagen kündigte den kompakten ID. Polo für 2026 zu einem Einstiegspreis von 25.000 Euro an. BYD brachte den elektrischen Dolphin Surf in Deutschland auf den Markt; der Startpreis liegt bei mindestens 23.000 Euro. Laut BYD-Vizepräsidentin Stella Li sind Fahrzeuge der Marke inzwischen an rund 100 Standorten in Deutschland erhältlich.
Beim Thema Batterien stellte Volkswagen eine Einheitszelle für künftige Konzernmodelle vor. Der Batteriehersteller CATL zeigte modulare Lösungen, darunter eine „Dual-Power Battery“, bei der unterschiedliche Zelltypen kombiniert werden können.
Analyst Stefan Bratzel (Center of Automotive Management) verwies auf Kostenvorteile entlang der E-Mobilitäts-Wertschöpfungskette in China. Nach seinen Angaben steigerten einzelne Anbieter ihre Verkäufe in Deutschland deutlich; BYD verzeichnete von Januar bis Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 420 Prozent. Bratzel nannte zudem als Beispiel für technologische Fortschritte deutscher Hersteller das bei Mercedes verfügbare automatisierte Fahren auf Level 3 bis 95 km/h. Beatrix Keim (Center of Automotive Research) erklärte, die deutsche Autoindustrie müsse sich vor chinesischen Fahrzeugen nicht fürchten; die Nachfrage nach einzelnen digitalen Funktionen sei offen.
Audi zeigte die Studie „Concept C“. Vorstandschef Gernot Döllner sagte, man habe aus früheren Fehlern gelernt und die überarbeiteten Produktpläne würden „monatsgenau“ umgesetzt. Volkswagen kündigte an, in einer neuen Serie wieder mehr physische Bedienelemente zu verbauen.
Auch kleinere Anbieter nutzen die Messe für Markteintritte. Die 212 Off-Road Vehicle Co. vertreibt über den Handelspartner Indimo dieselbetriebene Geländewagen. Nach Angaben von Indimo-Gründer Thomas Schelsky war eine erste Bestellung über 150 Fahrzeuge nach zwei Wochen ausverkauft; für 2026 plant er mit 1.500 Einheiten.
Aus der Politik kamen Ankündigungen für einen Austausch mit der EU-Kommission. CDU-Chef Friedrich Merz sprach am Mercedes-Stand Assistenz- und Warnhinweise in Fahrzeugen an. Mercedes-Chef Ola Källenius sagte mit Blick auf Regulierung: „Neun von zehn Piepgeräuschen kommen von dort.“ Merz kündigte einen Autogipfel an. CSU-Chef Markus Söder präsentierte einen Zehn-Punkte-Plan, der unter anderem günstigere Führerscheine, günstigeren Ladestrom und Hilfen für Zulieferer vorsieht. In der Union gibt es Forderungen, das EU-Aus für neue Verbrenner ab 2035 sowie CO₂-Flottengrenzwerte zu überprüfen. SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil verwies auf Stellenabbau in der Branche; in den vergangenen zwölf Monaten seien 50.000 Jobs weggefallen.
In der Zulieferkette wurden weitere Belastungen sichtbar. 2024 meldeten WKW Automotive und Eissmann Insolvenz an, 2025 folgte unter anderem Voit Automotive. Der Entwicklungsdienstleister Bertrandt wies in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres einen Verlust von rund 39 Millionen Euro aus.
Zur Rolle staatlicher Unterstützung sagte BMW-Finanzvorstand Walter Mertl: „Die Vorstellung, man könne die deutsche Autoindustrie durch Subventionen retten, ist ein Trugschluss.“ Berater Jochen Siebert (JWC, Shanghai) verwies auf intensiven Preiswettbewerb und subventionierte Lieferketten in China. Nach seinen Angaben gibt es Hinweise der chinesischen Regierung, den Preiskampf zu begrenzen; Hersteller könnten verpflichtet werden, Zulieferer binnen 60 Tagen zu bezahlen. Siebert zufolge wäre davon auch BYD betroffen.
Branchenvertreter und Bundesregierung planen nach der Messe Gespräche in Brüssel. Konkrete Entscheidungen zu möglichen Maßnahmen stehen aus.
