HSBC strukturiert globales Geschäft neu
Erstmals Frau als Finanzchefin und Fokus auf geopolitische Herausforderungen

HSBC steht vor einem bedeutenden Konzernumbau unter der Führung des neuen CEO Georges Elhedery, der vor sechs Wochen sein Amt angetreten hat. Der Plan sieht vor, das globale Geschäft geografisch in „Ost“ und „West“ zu trennen, um die Effizienz zu steigern und auf die veränderten wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen zu reagieren. Elhedery unterteilt Europas größte Bank in vier Geschäftsbereiche und ernennt in Pam Kaur erstmals eine Frau zur Finanzchefin. Diese Strukturänderung soll dazu beitragen, Kosten um bis zu zwei Milliarden Dollar zu senken, da HSBC stark vom Zinsgeschäft abhängig ist und die Gewinnmargen durch die Leitzinssenkungen der Notenbanken unter Druck geraten.
Die geopolitischen Spannungen, insbesondere zwischen China und dem Westen, haben ebenfalls einen wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen der Bank. HSBC ist in Asien stark vertreten, und Konflikte in der Region betreffen die Bank mehr als andere Großbanken. Zudem wurde HSBC nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Hongkong kritisiert, weil sie sich nicht deutlich von den Handlungen der chinesischen Regierung distanziert hatte. Der chinesische Versicherungskonzern Ping An, ein bedeutender Anteilseigner von HSBC, hatte mehrfach eine Abspaltung des Asiengeschäfts gefordert, was jedoch bisher nicht umgesetzt wurde.
Die Umstrukturierung soll HSBC zu einer dynamischeren und agileren Organisation machen. Das Geschäft im Heimatmarkt Großbritannien, Europa und Amerika wird unter „Western Markets“ zusammengefasst, während der asiatisch-pazifische Raum und der Mittlere Osten in „Eastern Markets“ gebündelt werden. Die neuen Geschäftsbereiche umfassen Großbritannien, Hongkong, Corporate und Institutional Banking sowie International Wealth and Premier Banking.
Ein besonderes Merkmal des Umbaus ist die Zusammenführung des Investmentbankings mit der Betreuung der Geschäftskunden, ein Schritt, der intern lange umstritten war. Elhederys Vorgänger Noel Quinn soll sich gegen diesen Zusammenschluss ausgesprochen haben. Der neue CEO sieht darin jedoch eine Chance, die Marktführerschaft in Bereichen mit Wettbewerbsvorteilen und Wachstumschancen zu stärken.
Die Ernennung von Pam Kaur zur Finanzchefin ist ein weiterer bedeutender Schritt. Kaur, die seit 2013 bei HSBC tätig ist und bisher für das Risikomanagement und Compliance zuständig war, wird zum 1. Januar 2025 die erste Frau in dieser Position in der 159-jährigen Geschichte der Bank.
Die Analysten reagieren unterschiedlich auf den Umbau. Während einige die Vereinfachung des Geschäfts begrüßen, bleiben Fragen zur zukünftigen Kostenstruktur und den Auswirkungen auf die Belegschaft offen.
