Hongkonger Tech-Aktien im Bärenmarkt: Steuersorgen drücken chinesische Technologiewerte
Hang Seng Tech Index verliert über 20 Prozent seit Oktober – Mehrwertsteuer-Ängste belasten Sektor

Chinas in Hongkong notierte Technologieaktien sind am Donnerstag in den Bärenmarkt gerutscht und markieren damit eine dramatische Kehrtwende nach der Rallye des vergangenen Jahres. Der Hang Seng Tech Index, der von Technologieunternehmen vom chinesischen Festland dominiert wird, fiel um mehr als ein Prozent und liegt damit über 20 Prozent unter seinem Höchststand vom Oktober. Es war der sechste Verlusttag in Folge.
Als Hauptauslöser für den jüngsten Kursrutsch nennen Marktteilnehmer die Befürchtung einer möglichen Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Internetdienstleistungen. Die Sorge ist nicht unbegründet: Bereits für bestimmte Telekommunikationsdienste wurde eine Mehrwertsteuererhöhung umgesetzt. Nun befürchten Anleger, dass Internetplattformen als Nächstes an der Reihe sein könnten.
Die Spekulationen weiteten sich zeitweise auf Online-Gaming und andere digitale Transaktionen aus. Dies verstärkte die Befürchtung neuer politischer Gegenwinde für einen Sektor, der bereits durch jahrelange regulatorische Verschärfungen unter Druck steht. Nach dem Kursrückgang wiesen chinesische Beamte am Dienstag allerdings die Spekulationen über eine spezielle Abgabe auf die Gaming-Industrie zurück.
Globale Tech-Schwäche belastet zusätzlich
Der Kursrückgang bei Chinas Tech-Aktien fiel zeitlich mit einer breiteren Volatilität an den globalen Technologiemärkten zusammen. Auslöser waren Ängste vor KI-bedingten Disruptionen bei traditionellen Softwareunternehmen, die auch westliche Technologiewerte unter Druck setzten.
Trotz des starken Kursrückgangs sehen einige Investoren den Ausverkauf eher als korrigierende Bewegung denn als Beginn eines tieferen Abschwungs. Laut Morningstar konzentriert sich die jüngste Schwäche auf Bereiche, die zuvor überdurchschnittlich abgeschnitten hatten. "Dem Sektor mangelt es etwas an Katalysatoren", sagte Vey-Sern Ling, Geschäftsführer der Union Bancaire Privée.
Andere Vermögensverwalter betonen, dass sich die fundamentalen Aussichten für chinesische Technologieunternehmen nicht wesentlich verschlechtert haben. Allerdings fehlen kurzfristige positive Impulse, die eine Trendwende einleiten könnten. Die Kombination aus regulatorischen Unsicherheiten und globaler Risikoaversion dürfte den Sektor vorerst weiter belasten.
