Home Depot im Fokus von Politik und Börse
Aktienrückkäufe und Übernahmepläne könnten Kursdelle trotz schwacher Zahlen ausgleichen

Die Baumarktkette Home Depot gerät in den USA zunehmend in den Fokus politischer Auseinandersetzungen. Infolge der verschärften Maßnahmen gegen illegale Einwanderung nutzt die US-Einwanderungsbehörde ICE auch Parkplätze von Home-Depot-Filialen für ihre Kontrollen. Diese Plätze dienen als Treffpunkte für Tagelöhner, bei denen nicht selten der Aufenthaltsstatus unklar ist. Die Präsenz der Behörden steht im Zusammenhang mit Donald Trumps Bestreben, illegale Migranten umfassend abzuschieben. Die Auswirkungen auf das operative Geschäft sind allerdings nicht der Hauptgrund für die jüngste Kursentwicklung des Unternehmens.
Nach einem kräftigen Anstieg des Aktienkurses in der Pandemie und einem neuen Rekordhoch im Dezember 2024 bei rund 431 Dollar hat die Aktie seit Jahresbeginn deutlich nachgegeben. Der Kurs liegt derzeit etwa 17 Prozent unter dem Höchststand. Grund für den Rückgang sind verhaltene Geschäftszahlen: Der Umsatz stieg zuletzt nur leicht, die Marge schrumpfte. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen keine signifikante Verbesserung.
Für neue Impulse könnte eine geplante Übernahme sorgen. Home Depot hat dem Baustoffhändler Gypsum Management and Supply (GMS) ein Angebot unterbreitet, nachdem der Konkurrent QXO zuvor fünf Milliarden Dollar für GMS geboten hatte. Die genaue Höhe des Angebots von Home Depot ist bislang nicht bekannt. Analysten sehen in der möglichen Übernahme strategische Vorteile für Home Depot, vor allem im Profisegment. Selbst bei einem Bieterwettstreit mit einem höheren Kaufpreis rechnen sie mit positiven Effekten.
Ein weiterer Aspekt, der Anleger aufhorchen lässt, sind die umfangreichen Aktienrückkäufe des Unternehmens. Seit 2012 hat Home Depot etwa 35 Prozent seiner ausstehenden Aktien zurückgekauft. Entscheidend dabei ist laut Experten, dass die Zahl der umlaufenden Aktien tatsächlich reduziert wurde. Im Gegensatz zu vielen Tech-Konzernen, die Rückkäufe oft zur Mitarbeiterkompensation nutzen, hat Home Depot die Aktien eingezogen, wodurch sich der Unternehmensgewinn auf weniger Anteilsscheine verteilt. Diese Praxis gilt als kursstützend.
In der langfristigen Betrachtung haben Aktienrückkäufe in vielen Fällen zu einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung geführt. Eine Auswertung zeigt, dass Unternehmen mit hohen Rückkäufen im S&P 500 in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt 270 Prozent an Wert gewonnen haben, während der Gesamtindex um 180 Prozent zulegte. Home Depot reiht sich damit in eine Liste von Unternehmen ein, die gezielt auf Rückkäufe setzen – mit potenziell positiven Folgen für den Aktienkurs.
