Hohe Preise bremsen das Ladenetz für E-Autos
Regionale Monopole verhindern Wettbewerb und halten die Stromkosten an öffentlichen Säulen oben.

Wer in Deutschland ein Elektroauto fährt und auf öffentliche Ladesäulen angewiesen ist, zahlt meist deutlich mehr als Fahrer eines vergleichbaren Verbrenners. Trotz politischer Ankündigungen, die Strompreise zu senken, bleibt das Laden unterwegs weiterhin kostspielig – und damit ein ernstzunehmendes Hindernis für den Durchbruch der Elektromobilität im Alltag vieler Menschen.
Laut einer Analyse des Energieanbieters Lichtblick kostet eine Fahrt über 100 Kilometer mit einem E-Auto, das an einer öffentlichen Normalladesäule geladen wird, im Durchschnitt 10,45 Euro. Das entspricht einem Strompreis von rund 52 Cent pro Kilowattstunde. Noch teurer wird es an Schnellladesäulen: Hier beträgt der Durchschnittspreis 60 Cent pro Kilowattstunde, was rund 12,06 Euro für die gleiche Strecke bedeutet. Zum Vergleich: Ein mit Super E10 betriebener Benziner kommt im Mittel auf 10,21 Euro pro 100 Kilometer.
Diese Differenz wirkt auf den ersten Blick gering, ist aber für viele Nutzer entscheidend – insbesondere für jene, die keine Lademöglichkeit zu Hause haben oder regelmäßig längere Strecken fahren. Zwar ergab eine europaweite Untersuchung, dass private Ladevorgänge im Schnitt bis zu 40 Prozent günstiger sind als das Tanken mit Diesel oder Benzin. Doch dieser Kostenvorteil verpufft, sobald öffentliche Ladeinfrastruktur genutzt werden muss.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das über den reinen Preisvergleich hinausgeht: die starke Marktkonzentration bei öffentlichen Ladesäulen. In vielen Städten dominiert jeweils ein einziger Anbieter – sogenannte „Ladesäulen-Könige“. Laut einer Untersuchung von Lichtblick und dem Datenportal Statista liegt der durchschnittliche Marktanteil der größten regionalen Betreiber bei rund 74 Prozent. In Wiesbaden betreibt die Stadtwerke-Tochter ESWE sogar 94 Prozent aller Ladepunkte, in Hannover sind es 93 Prozent, in Köln 72 Prozent.
Diese Marktverhältnisse verhindern laut Kritikern einen wirksamen Wettbewerb und führen zu überhöhten Preisen. Das Bundeskartellamt kritisierte bereits, dass Kommunen bei der Vergabe von Flächen häufig eigene Stadtwerke bevorzugen oder exklusiv einen Anbieter zulassen. Die Folge: Ein gesunder Preiswettbewerb kann sich nicht entwickeln, und Verbraucher zahlen die Zeche. Eine flächendeckende Senkung der Strompreise durch die Bundesregierung würde unter diesen Bedingungen vor allem den Monopolisten zugutekommen – ohne dass die Nutzer davon direkt profitieren.
