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Himolla Polstermöbel beantragt Schutzschirm-Insolvenz: 850 Jobs in Gefahr

Der bayerische Polstermöbelhersteller Himolla kämpft ums Überleben – und zieht nun die Reißleine mit einem Schutzschirmverfahren.

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Himolla Polstermöbel beantragt Schutzschirm-Insolvenz: 850 Jobs in Gefahr

Der bayerische Polstermöbelhersteller Himolla steckt in der Krise. Das in Taufkirchen ansässige Unternehmen, das sich selbst als eines der größten Polstermöbelwerke Europas bezeichnet, hat ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren beantragt. Rund 850 Mitarbeiter am deutschen Standort sind unmittelbar betroffen.

Das Schutzschirmverfahren ist eine besondere Form der Insolvenz, die auf Sanierung ausgerichtet ist. Im Gegensatz zur klassischen Regelinsolvenz bleibt das bestehende Management dabei in der Regel im Amt – wird jedoch durch externe Restrukturierungsexperten unterstützt. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter wacht parallel darüber, dass die Interessen der Gläubiger gewahrt bleiben.

Im Fall Himolla übernimmt Tillmann Peeters von der Unternehmensberatung Falkensteg die Rolle des Sanierungsgeschäftsführers. Weitere Falkensteg-Restrukturierer sind ebenfalls in Taufkirchen im Einsatz. Rechtlich berät ein Team um Thomas Ressmann von DMR Legal. Als vorläufiger Sachwalter fungiert Arndt Geiwitz von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz.

Die Möbelbranche in der Dauerkrise

Die Insolvenz kommt nicht überraschend. Die gesamte deutsche Möbelindustrie steckt nach den Boom-Jahren während der Coronapandemie in einer tiefen Strukturkrise. Schwache Konsumlaune, eine stockende Bautätigkeit und preisaggressiver Wettbewerb aus Niedriglohnländern setzen den Herstellern massiv zu.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Branche erzielte im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von rund 15,8 Milliarden Euro – ein Rückgang von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders hart trifft es die Polstermöbelhersteller: In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 brach der Umsatz in diesem Segment um 13 Prozent auf nur noch 138 Millionen Euro ein.

Himolla ist dabei kein Einzelfall. Bereits zuvor mussten namhafte Branchenvertreter Insolvenz anmelden – darunter der Traditionshersteller Hülsta, der Büro- und Sitzmöbelproduzent König + Neurath sowie zuletzt die Premiummarke Interlübke. Himolla reiht sich nun in diese Liste ein.

Das Unternehmen selbst räumt ein, dass es trotz stabiler Marktanteile nicht gelungen sei, die Umsatzeinbußen durch bisherige Restrukturierungsmaßnahmen aufzufangen. „Gleichwohl konnten mit den bisherigen Restrukturierungsmaßnahmen die Umsatzeinbußen und entsprechende Verluste nicht aufgefangen werden", heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens.

Was bedeutet das für Mitarbeiter und Betrieb?

Der laufende Geschäftsbetrieb soll vorerst ohne Einschränkungen weiterlaufen. Vertriebsgeschäftsführer Manfred Ziegler versichert, dass alle bestehenden Aufträge wie geplant abgewickelt werden. Die rund 850 Beschäftigten am deutschen Standort Taufkirchen erhalten für die Monate Juni, Juli und August 2026 Insolvenzgeld.

Ob es im Zuge der Sanierung zu einem Stellenabbau kommen wird, ließ das Unternehmen zunächst offen. In den kommenden Wochen soll ein Sanierungsplan erarbeitet werden, der das Kerngeschäft stabilisiert. Sanierungsgeschäftsführer Peeters erklärte: „Unter dem Schutzschirm haben wir die Zeit und den rechtlichen Schutz, uns neu aufzustellen."

Neben der Kostensenkung und der Neuverhandlung von Konditionen mit Kunden und Lieferanten dürfte auch die Suche nach einem Investor eine zentrale Rolle spielen. Die Unternehmensgruppe beschäftigt insgesamt über 2.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 190 Millionen Euro. Tochterunternehmen und Standorte in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn sind von dem in Deutschland beantragten Verfahren nicht unmittelbar betroffen.

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