Hermès verfehlt Umsatzprognose: Axel Springer plant TikTok-Einstieg in Europa
Der Luxuskonzern verfehlt die Erwartungen, während Axel Springer eine Beteiligung am Europageschäft von TikTok erwägt.

Der französische Luxusgüterkonzern Hermès hat im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten verfehlt. Wie das Unternehmen berichtet, beliefen sich die Gesamtumsätze in den drei Monaten bis September auf 4,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 4,3 Prozent im Jahresvergleich zu konstanten Wechselkursen – und liegt damit unter der Konsensprognose von 5,2 Prozent.
Executive Chairman Axel Dumas beschrieb das wirtschaftliche Umfeld in wichtigen Regionen als „herausfordernd“. Er nannte dabei ausdrücklich China und den Nahen Osten. Trotz des schwierigen Umfelds zeigte sich Dumas zuversichtlich: „Trotz eines komplexen Umfelds setzt Hermès sein profitables Wachstum fort und hält seinen Kurs“, so der Manager.
Parallel dazu sorgt eine strategische Initiative im Mediensektor für Aufmerksamkeit. Mathias Döpfner, Vorstandschef und Miteigentümer des deutschen Medienhauses Axel Springer, ist als zentraler Akteur im Ringen um TikTok hervorgetreten. Berichten zufolge hat Döpfner einen Plan vorgelegt, wonach Axel Springer eine Beteiligung am Europageschäft von TikTok erwerben könnte, indem das Geschäft von der chinesischen Muttergesellschaft ByteDance abgespalten wird.
Die Details
Bei Hermès bleibt das Kerngeschäft robust. Der Verkauf der ikonischen Handtaschen und Lederwaren – die größte Sparte des Konzerns – wuchs im Quartal um 10,8 Prozent. Das unterstreicht die anhaltende Nachfrage nach den exklusivsten Produkten der Marke. Diese Stärke wurde jedoch durch einen Rückgang der Erlöse im Bereich Mode und Accessoires ausgeglichen, der zweitgrößten Sparte des Unternehmens, die um 2 Prozent schrumpfte.
Im Mittelpunkt der TikTok-Überlegungen steht ein Treffen in Berlin. Dort wurde Döpfners Vorschlag Berichten zufolge bei einem Mittagessen mit Charles Kushner erörtert, dem US-Botschafter in Frankreich und Vater von Jared Kushner. Döpfners Medienimperium umfasst unter anderem Politico und The Daily Telegraph. Er schlug eine Struktur vor, die dem von Präsident Trump vermittelten Deal für den US-Arm von TikTok ähnelt. Dieses Modell sieht ein Joint Venture mit ByteDance vor, bei dem Investoren die Kontrolle über Algorithmen und Nutzerdaten erhalten, um Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit zu adressieren. Der Vorstoß unterstreicht sowohl die Größe von Döpfners Ambitionen als auch die strategischen Bemühungen von Axel Springer, sich enger an die Trump-Administration anzulehnen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Hermès-Aktie nach der Vorlage enttäuschender Umsatzzahlen um 14 Prozent abstürzte. Es handelte sich um den größten Tagesverlust in der gesamten Börsengeschichte des Unternehmens. Die UBS-Analystin Zuzanna Pusz kommentierte die Zahlen damals nüchtern.
Am 16.04.2026 meldete aktien.news, dass Europas führende Luxushäuser unter erheblichem Druck stehen, nachdem drei große Luxuskonzerne schwache Umsatzzahlen für das erste Quartal gemeldet hatten. Marktbeobachter warnten jedoch davor, dass die Panik zu weit gehen könnte.
Am 05.10.2026 berichtete aktien.news, dass die UBS den französischen Luxusgüterhersteller Hermès International von „Neutral“ auf „Verkaufen“ herabgestuft und ihr 12-Monats-Preisziel von 1.695 Euro auf 1.168 Euro gesenkt hat. Zur Begründung verwies die Bank darauf, dass die wachsende Skalierung der Marke ihre Knappheit verringere und die Nachfrage zunehmend zyklischer mache. Die Hermès-Aktie schloss am 2. Oktober mit 1.299,50 Euro und damit am unteren Ende ihrer 52-Wochen-Reichweite, die von 1.299,50 Euro bis 2.250 Euro reicht.
Am 17.10.2026 berichtete aktien.news, dass Hermès seinen Blick verstärkt auf die amerikanischen Vororte richtet. Die Marke eröffnet Filialen in Orten wie Short Hills in New Jersey und Wilmette in Illinois. Führungskräfte im Luxushandel bezeichnen solche wohlhabenden Vororte sowie kleinere amerikanische Städte wie Nashville in Tennessee und Austin in Texas als „aufstrebende Märkte“. Das Geschäft in Wilmette wurde im August eröffnet.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefern die aktuellen Zahlen von Hermès ein gemischtes Bild. Einerseits wächst das Kerngeschäft mit Lederwaren zweistellig, andererseits verfehlt der Konzern die Analystenerwartungen und die zweitgrößte Sparte schrumpft. Die früheren Berichte von aktien.news zeigen, dass der Luxussektor bereits seit dem Frühjahr 2026 unter Druck steht und die Bewertungslogik der Branche ins Wanken geraten ist.
Die TikTok-Überlegungen von Axel Springer sind für Anleger vor allem ein Beispiel dafür, wie sich Medienunternehmen angesichts geopolitischer Vorgaben neu positionieren. Das Modell eines Joint Ventures mit ByteDance, bei dem Investoren Kontrolle über Algorithmen und Nutzerdaten erhalten, ist dabei der zentrale Mechanismus.
Auch der breitere Markt bleibt in Bewegung. Die Finanzmärkte verarbeiten derzeit eine Fülle von Quartalszahlen großer Unternehmen, darunter Barclays, Heathrow, Kuehne+Nagel und Nestlé. Im Private-Equity-Sektor will EQT die deutsche Diagnostikgruppe Qiagen in einer Transaktion im Wert von 10,8 Milliarden Euro übernehmen – eine der größten Take-private-Transaktionen in Europa in diesem Jahr. Parallel prüft CVC ein Gebot für die Sicherheitsgruppe Verisure.
Ausblick
Geopolitisch bleibt die Lage angespannt. Die Nato will der Ukraine ermöglichen, Verteidigungsgüter über ihre zentralisierte Agentur zu beschaffen, um die Logistik zu beschleunigen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff hat Gespräche über eine mögliche Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen zwischen Moskau, Kiew und Washington geführt.
In Großbritannien ist die politische Stimmung getrübt: Fokusgruppen deuten auf mangelnden Optimismus der Wähler hinsichtlich der Richtung der aktuellen Regierung hin. Zudem erwägt die britische Regierung, mittelgroße Unternehmen von unabhängigen Prüfungen zu befreien – ein Schritt, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften jährlich bis zu 1,2 Milliarden Pfund an Gebühren kosten könnte.
Chris Giles merkt an, dass G7-Länder wie Frankreich und die USA sich einer „Fiskalmauer“ nähern. Vor diesem Hintergrund dient die Entwicklung bei Hermès als Stimmungsbarometer für das Konsumentenvertrauen, während die TikTok-Saga zeigt, wie stark der Druck auf globale Tech-Plattformen wächst, sich nationalen Sicherheitsauflagen zu beugen.
Kurz erklärt
- Konstante Wechselkurse: Eine Berechnungsmethode, bei der Währungsschwankungen herausgerechnet werden, um die tatsächliche Geschäftsentwicklung zu zeigen.
- Joint Venture: Ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem sich mehrere Partner beteiligen.
- Take-private-Transaktion: Der Rückkauf eines börsennotierten Unternehmens durch Investoren, wodurch es von der Börse verschwindet.
