Hedgefonds Arini verkauft 800 Millionen Dollar Schulden nach schweren Verlusten
Der einst hochfliegende Londoner Kreditfonds Arini stößt Schuldtitel im Wert von rund 800 Millionen US-Dollar ab, während die Verluste weiter steigen.

Arini Capital Management hat in den vergangenen Wochen Schuldtitel im Wert von rund 800 Millionen US-Dollar verkauft. Nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen geschah dies teilweise aufgrund von Margin-Calls jener Banken, mit denen das Unternehmen gehandelt hat. Der einst hochfliegende Londoner Hedgefonds gerät damit zunehmend in eine prekäre Lage.
Der rund 7 Milliarden US-Dollar große Flaggschiff-Fonds von Arini verzeichnete bis Mitte Oktober dieses Jahres bereits Verluste von über 20 Prozent. Bis zum Monatsende wird nach Einschätzung einiger der genannten Personen mit weiteren Einbußen gerechnet. Für einen Fonds, der lange zu den am schnellsten wachsenden seiner Branche zählte, markiert dies einen tiefen Einschnitt.
Die Verluste gehen maßgeblich auf Positionen in distressed Credits zurück, also in Anleihen finanziell angeschlagener Unternehmen. Betroffen sind nach den vorliegenden Informationen unter anderem Telekommunikationsanbieter wie Altice International, Optimum Communications, Virgin Media und Brightspeed, ein Telekommunikationsunternehmen, das vom Private-Equity-Unternehmen Apollo Global Management unterstützt wird.
Mehrere Telekom-Positionen brechen weiter ein
Einige dieser Investitionen sind in den vergangenen Wochen weiter eingebrochen. Optimum steht kurz vor einer möglichen Insolvenzanmeldung nach Chapter 11. Brightspeed erwägt bis Ende des Jahres einen Insolvenzantrag, wie WSJ Pro Bankruptcy zuvor berichtete. Beide Entwicklungen dürften die Bewertung der entsprechenden Positionen im Arini-Portfolio zusätzlich belasten.
Der Fonds verkauft seit einigen Monaten Teile seiner leichter handelbaren Positionen. Die Erlöse aus einigen Transaktionen dienten dazu, die Margenanforderungen zu erfüllen, die mit Investitionen in Credit-Default-Swap-Indizes und anderen Geschäften verbunden waren. Diese Indizes bilden Pools von Schuldtiteln ab, die von europäischen Unternehmen emittiert wurden.
Der Druck auf diese Instrumente hat sich zuletzt erhöht. Die Aktienkurse der zugrunde liegenden Unternehmen sind angesichts steigender Zinsen und wachsender Befürchtungen bezüglich einer französischen Staatsverschuldungskrise gefallen. Für einen Fonds, der auf konzentrierte Wetten auf europäische Kredite setzt, schlagen solche Marktbewegungen unmittelbar auf die Rendite durch.
Hamza Lemssouguer gründete Arini im Jahr 2021
Hinter Arini steht Hamza Lemssouguer, der das Unternehmen im Jahr 2021 gründete und schnell zu einem der am schnellsten wachsenden Hedgefonds ausbaute. Der Gründer ist ein ehemaliger Händler bei der Credit Suisse und bekannt für konzentrierte, hoch gehebelte Wetten auf europäische Kredite. Genau diese Strategie, die dem Fonds in guten Jahren starke Zuwächse bescherte, erweist sich nun in einem schwierigen Marktumfeld als riskant.
Frühere Berichte zeichneten die Verlustserie bereits nach
Die aktuelle Entwicklung setzt eine Serie früherer Berichte von aktien.news fort. Bereits am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Londoner Kreditinvestor Arini Capital Management mit seinem Hauptfonds in diesem Jahr Verluste von fast 16 Prozent verzeichnet hatte. Ursache war eine Reihe gescheiterter Wetten auf die Schulden finanziell angeschlagener Unternehmen. Allein im September summierte sich der Verlust im Master-Fonds nach Schätzungen von mit den Renditen vertrauten Quellen auf 7,6 Prozent, womit der kumulierte Jahresverlust auf 15,7 Prozent stieg. Für den größten Fonds des Unternehmens, das ein Vermögen von 7,22 Mrd. US-Dollar verwaltete, war es bereits der dritte Verlustmonat.
Am 09.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Flaggschifffonds bis September rund 15,7 Prozent an Wert verloren hatte. Grund war der Einbruch der Kurse mehrerer seiner größten Investments. Der Fonds ist auf Unternehmensanleihen spezialisiert und verfolgt einen Ansatz mit konzentrierten Positionen, also wenigen, dafür aber großen Wetten.
Am 10.10.2026 folgte der Bericht, dass Arini in seinem Flaggschiff-Fonds bis Ende September einen Verlust von rund 15,7 Prozent eingefahren hatte und dem Fonds damit der erste Jahresverlust seit seiner Gründung drohte. Seit der Gründung hat Arini Capital rund 22 Milliarden US-Dollar eingesammelt.
Bereits am 04.04.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Lemssouguer im Jahr 2020 ein Angebot von Citadel-Gründer Ken Griffin abgelehnt hatte, mehrere Milliarden US-Dollar zu verwalten. Stattdessen setzte er auf sich selbst. Gegründet wurde Arini nach damaligem Bericht im Jahr 2022 mit einem Startkapital von 1,3 Milliarden US-Dollar und gilt laut dem Datenanbieter Hedge Fund Research als der am schnellsten wachsende neue Hedgefonds-Manager weltweit.
Konzentrierte Kreditwetten erzeugen bei Kursverwerfungen überproportionale Verluste
Für deutsche Privatanleger ist der Fall Arini vor allem ein Lehrstück über die Risiken konzentrierter und hoch gehebelter Kreditstrategien. Der Fonds setzt auf wenige, dafür große Positionen in Unternehmensanleihen, ein Ansatz, der in ruhigen Marktphasen hohe Erträge liefern kann, bei Kursverwerfungen aber überproportionale Verluste erzeugt. Hinzu kommt der Einsatz von Credit-Default-Swap-Indizes, die über Margenanforderungen zusätzlichen Liquiditätsdruck erzeugen können.
Sichtbar wird dieser Mechanismus an den Verkäufen: Weil Banken Nachschüsse verlangten, musste Arini Schuldtitel im Wert von rund 800 Millionen US-Dollar abstoßen. Solche Zwangsverkäufe können den Druck auf die verbleibenden Positionen weiter erhöhen. Anleger, die selbst in Kreditfonds oder Anleihen mit hohem Risiko investiert sind, sollten die Entwicklung daher aufmerksam verfolgen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Arini rechnet bis Monatsende mit weiteren Einbußen
Für die kommenden Wochen stehen mehrere konkrete Punkte im Raum. Arini rechnet nach Angaben der genannten Personen bis Monatsende mit weiteren Einbußen im Flaggschiff-Fonds. Brightspeed erwägt bis Ende des Jahres einen Insolvenzantrag. Optimum steht kurz vor einer möglichen Insolvenzanmeldung nach Chapter 11. Wie sich diese Verfahren auf die Bewertung der Arini-Positionen auswirken, ist offen.
Drei Fachbegriffe ordnen die Vorgänge bei Arini ein
- Distressed Credits: Anleihen oder Kredite von Unternehmen, die sich in einer schweren finanziellen Schieflage befinden und deren Ausfallrisiko als hoch gilt.
- Margin-Call: Die Aufforderung einer Bank an einen Kunden, zusätzliche Sicherheiten zu stellen, weil die Verluste aus gehebelten Positionen eine vereinbarte Schwelle überschritten haben.
- Credit-Default-Swap-Index: Ein Finanzinstrument, das die Ausfallrisiken einer ganzen Gruppe von Schuldtiteln bündelt und an der Börse gehandelt wird.
