GSM startet in den USA: ASEAN-Notenbanker warnen vor Finanzrisiken
Vietnamesischer E-Taxi-Anbieter GSM expandiert nach Los Angeles, während Zentralbanker in Bangkok vor neuen Finanzkrisen warnen.

Der vietnamesische Elektro-Taxi-Anbieter Green and Smart Mobility (GSM) hat offiziell seinen Fahrdienst und Taxiservice in Los Angeles gestartet. Damit wagt das Unternehmen den ersten Schritt auf den nordamerikanischen Markt und macht die USA zum neunten globalen Territorium der Firma. GSM, kontrolliert vom VinFast-Gründer Pham Nhat Vuong und seiner Familie, ist bereits in Vietnam, Laos, Indonesien, den Philippinen, Indien, Kasachstan, Dänemark und den Niederlanden aktiv.
Die Expansion ist Teil einer umfassenderen strategischen Roadmap. Bereits im späten Jahr 2026 hatte GSM Flotten in Europa und den USA eingesetzt, weitere europäische Märkte sollen 2027 folgen. Das Wachstum des Unternehmens ist eng mit einer ambitionierten Beschaffungsstrategie verbunden: GSM hat sich verpflichtet, zwischen 2026 und 2030 bis zu eine Million Elektrofahrzeuge von VinFast zu kaufen.
Die Finanzkennzahlen des Unternehmens bleiben bislang begrenzt. Ein aktueller Bericht der vietnamesischen Brokerfirma VNDirect schätzt, dass GSM im Jahr 2025 einen Bruttowarenwert (GMV) von rund einer Milliarde US-Dollar erwirtschaftete. Zudem bereitet sich das Unternehmen auf eine mit Spannung erwartete Börsennotierung in Hongkong vor, deren Pre-IPO-Phase noch in diesem Jahr beginnen könnte. Berater sollen eine Bewertung des Unternehmens in der Größenordnung von 20 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen haben.
ASEAN-Notenbanker mahnen zur Vorsicht
Während private Unternehmen wie GSM aggressives Wachstum verfolgen, konzentrieren sich regionale politische Entscheidungsträger auf makroökonomische Widerstandsfähigkeit. Bei den Jahrestagungen des IWF und der Weltbank in Bangkok, Thailand – dem Epizentrum der Asienkrise von 1997 – führten Zentralbankchefs und internationale Vertreter einen kritischen Dialog über die Anfälligkeit der Region für Marktschocks.
Eli Remolona, Gouverneur der Bangko Sentral ng Philippines, richtete eine eindringliche Warnung an die ASEAN-Mitgliedstaaten, darunter Laos, Thailand, Vietnam und weitere. Er mahnte zur Wachsamkeit gegenüber einer Wiederholung des Finanzkollapses der späten 1990er Jahre. Remolona wies darauf hin, dass die Zeit vor 1997 von massiven Kapitalzuflüssen geprägt war, die fälschlicherweise als „ostasiatisches Wunder" bezeichnet wurden. Er warnte: „Investitionen strömten nach Asien, und dann kam die Krise, weil es kein echtes Wunder war. Ich denke, wir müssen uns daran erinnern. Wir müssen uns vor dieser Art von Krise schützen." Remolona äußerte die Sorge, dass die derzeitigen regionalen Bemühungen zur Analyse und Eindämmung solcher systemischen Risiken unzureichend seien.
Als Reaktion darauf verteidigte Krishna Srinivasan, Direktor der Asien-Pazifik-Abteilung des IWF, die Fortschritte der Organisation. Der IWF habe ausgefeilte Rahmenwerke entwickelt, um volatile Kapitalströme zu steuern und Leitlinien für Interventionen am Devisenmarkt bereitzustellen. Srinivasan räumte jedoch ein, dass neue Risiken entstanden sind. Er hob hervor, dass die ASEAN-Volkswirtschaften zwar Widerstandsfähigkeit gegenüber handelspolitischen Spannungen durch US-Zölle gezeigt hätten, ihre hohe Energieintensität jedoch eine erhebliche Anfälligkeit darstelle – insbesondere für Nationen, die stark von Öl- und Gasimporten abhängig sind.
Fiskaldisziplin und langfristige Wettbewerbsfähigkeit
Atsushi Mimura, Japans Vizefinanzminister für internationale Angelegenheiten, ergänzte die Diskussion um eine weitere Nuance. Er identifizierte die Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf die Energiepreise und die anhaltende globale Inflation als kurzfristige Hauptrisiken. Mimura betonte die Notwendigkeit fiskalischer Disziplin und plädierte für den „Triple-T"-Ansatz: Ausgaben müssten „gezielt, maßgeschneidert und temporär" sein, um Haushalte und Unternehmen zu unterstützen, ohne den Inflationsdruck zu verstärken.
Mit Blick auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit forderte Mimura die ASEAN-Nationen auf, ihre Position in der globalen Lieferkette für kritische Mineralien zu nutzen, um Digitalisierung und Innovation voranzutreiben. „Alle ASEAN-Länder sollten definitiv weiter investieren, damit sie mit KI und Innovation immer Schritt halten können", erklärte Mimura. Japan stehe bereit, diese Nationen zu unterstützen, während sie ihre Lieferketten weg von der übermäßigen Abhängigkeit von einzelnen Märkten hin zu einer hochtechnologischen Integration diversifizieren.
Der 11 Mitglieder umfassende ASEAN-Block – bestehend aus Brunei, Kambodscha, Osttimor, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, den Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam – navigiert durch komplexe wirtschaftliche Gewässer. Der Kontrast zwischen der rasanten, technologiegetriebenen Expansion von Unternehmen wie GSM und der vorsichtigen, risikoscheuen Haltung der Zentralbanker verdeutlicht die doppelte Herausforderung von Wachstum und Stabilität in der modernen asiatischen Wirtschaft.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in zweierlei Hinsicht relevant. Zum einen zeigt die GSM-Expansion, wie vietnamesische Unternehmen zunehmend globale Märkte erschließen und damit auch für europäische Investoren interessant werden könnten – insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Hongkong-Notierung. Zum anderen unterstreicht die Debatte in Bangkok, dass Schwellenländer in Südostasien trotz ihrer Wachstumsdynamik weiterhin erheblichen systemischen Risiken ausgesetzt bleiben, die bei Engagements in der Region sorgfältig abzuwägen sind.
